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Ankerpunkt unter dem "U"

19.10.2007

Welche Potenziale die Kreativwirtschaft hat und andere Fragen beleuchtete RN-Redakteurin Bettina Kiwitt im Gespräch mit Udo Mager (Foto), Chef der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Wie motiviert ein Wirtschaftsförderer kreative Köpfe dazu, nach Dortmund zu kommen?

Mager: Da sollte man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen. Es sind schon kreative Köpfe hier. An erster Stelle steht für mich die Analyse, wie sich die Kreativwirtschaft hier vor Ort darstellt.

Wie soll die Analyse durchgeführt werden?

Mager: Das methodische Vorgehen werden wir vom dortmund-project übernehmen. Das heißt, Stärken und Potenziale der Kreativwirtschaft müssen identifiziert, gemeinsame Projekte und Kooperationsmöglichkeiten eruiert und schließlich die Potenziale weiterentwickelt werden. So erzielen wir auch Beschäftigungseffekte.

In Dortmund gibt es bereits 6400 Menschen in der Kreativwirtschaft, die 800 Mio. Euro im Jahr erwirtschaften. Nach außen wird das nicht sichtbar. Woran liegt's?

Mager: Es fehlt ein Ankerpunkt, wie er auf dem Gelände des Dortmunder U mit dem Kreativwirtschaftlichen Zentrum entstehen soll. So eine Verortung erhöht die Wahrnehmung für die Kreativwirtschaft, denn die Wahrnehmung hat durchaus etwas mit einem profilierten Standort zu tun. Dies belegt anschaulich der Zollverein in Essen. Bisher ist die Branche auch nicht sehr vernetzt, wie es etwa in der IT mit den networkern westfalen oder in der Logistik mit dem LogIT-Club der Fall ist. Da wollen wir ansetzen und eine moderierte Zusammenarbeit anbieten.

Was bietet das Kompetenzzentrum?

Mager: Es bietet den Nutzern eine Gebäudeinfrastruktur mit Büro-, Atelier- und Ausstellungsflächen, die sich an ihrem Bedarf orientieren. Das Angebot von umfangreichen Dienstleistungen im Bereich Büro- und Gebäudemanagement ermöglicht den in der Regel kleinen Unternehmen, sich auf ihre kreativen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Außerdem wird ein Dienstleistungssystem aufgebaut, das die Firmen in Finanzierungsfragen unterstützt.

Den Kreativen wird unterstellt, dass jeder gern sein eigenes Süppchen kocht. Ein Zusammenschluss von Unternehmen der Werbebranche im Agenturclub ist vor Jahren etwa sang- und klanglos untergegangen.

Mager: Fakt ist, dass alle Geld verdienen müssen. Dafür müssen idealtypische Vorstellungen mit einer Existenzsicherung in Einklang gebracht werden. Mit Jahresumsätzen bis zu 17500 Euro haben ca. 8% der Selbstständigen in der Kreativwirtschaft nur eine schmale finanzielle Basis.

Sie wollen die Dortmunder Kreativszene nach vorn bringen, aber die Wirtschaftsförderung selbst hat ihre kreativen Aufträge an Agenturen in Essen und Düsseldorf vergeben. Da passt was nicht zusammen.

Mager: Das hat nichts damit zu tun, dass wir den Dortmunder Kreativen nichts zutrauen, sondern das hat damit zu tun, dass wir uns ans Vergaberecht zu halten haben. Und da sind ab bestimmten Jahreskontingenten, die bei uns durchaus Summen im siebenstelligen Bereich ausmachen können, europäische Ausschreibungen vorgeschrieben.

Aber könnte man Aufträge nicht stückeln? Im Handwerk wurden zum Beispiel die Wertgrenzen für die Vergabe von Bauleistungen bei freihändigen Vergaben und für beschränkte Ausschreibungen erhöht.

Mager: Vorab ein Hinweis: Die Wertgrenzen für Handwerksaufträge wurden auf Initiative der Wirtschaftsförderung erhöht. Handwerkerleistungen können allerdings nicht mit Pressearbeit oder Marketingprojekten verglichen werden. Hier ist Kontinuität über einen längeren Zeitraum Erfolgsvoraussetzung. Sie können nicht alle sechs Wochen einem anderen Dienstleister Ihre Strategie erklären. Wir geben aber jeder Agentur vor, bei der Umsetzung von Projekten mit lokalen Partnern - z. B. bei Druckereileistungen oder im Catering - zusammen zu arbeiten.

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