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Asbest: Tochter geht bis vors Europäische Gericht

16.10.2007

Zeit ihres Lebens sei Marianne Dreves fit wie ein Turnschuh gewesen, erinnert sich Tochter Dorothee an ihre Mutter, die zehn Jahre lang die asbestverseuchte Arbeitskleidung ihres Mannes gewaschen hatte.

Marianne Dreves, deren Eltern beide weit über 90 Jahre alt wurden, war selbst 80, als sie plötzlich über Rückenschmerzen klagte. Die resolute Frau dachte, sie hätte sich an ihrem Einkaufswagen verhoben, behandelte sich mit diversen Hausmitteln und ging erst zum Röntgen, als es einfach nicht besser wurde.

Die CT-Untersuchung im Frühjahr 2006 brachte Gewissheit. Der Arzt fragte sie nach ihrem Beruf. Hausfrau. Ob sie jemals etwas mit Asbest zu tun gehabt hätte? Nein, ihr Mann aber. Ob sie seine Kleidung gewaschen habe? Ja. Ihr untersuchender Arzt war damals bei den Reihenuntersuchungen nach der Schließung von Danco-Wetzell vor Ort gewesen.

Nach Bronchoskopie und Biopsie im Klinikum Dortmund stand fest, dass Marianne Dreves an einem Mesotheliom im Lungenfell und Herzmuskel litt, einer bösartigen Erkrankung, hervorgerufen durch Asbest-Stäube. Ihr Hausarzt stellte eine Verdachtsanzeige über das Vorliegen einer Berufskrankheit bei der Berufsgenossenschaft. "Danach wird normalerweise ein Feststellungsverfahren eingeleitet. Dies aber wurde von der Berufsgenossenschaft abgelehnt. Und dagegen habe ich Widerspruch eingelegt", erzählt Dorothee Dreves.

Die Berufsgenossenschaft berief sich auf ein Urteil des Bundessozialgerichts von 1993, das auch vom Verfassungsgericht bestätigt wurde. Dort war ein solcher Fall verhandelt worden, wo ebenfalls der Ehemann beruflich mit Asbest zu tun gehabt hatte. Da aber nicht die Erkrankte selbst bei der Firma beschäftigt war, wurde damals der Rechtsbegriff der "finalen Handlungstendenz" formuliert. Man sah das Wäschewaschen als Privatsache.

Mit ihrer Anwältin Christine Proemmel aus Kiel, die in einer großen Kanzlei u. a. mit Personenschadensanwälten arbeitet, will sie bis vor den europäischen Gerichtshof ziehen, denn in anderen europäischen Ländern sind Entschädigungen für erkrankte Familienangehörige gesetzlich festgeschrieben. bö

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