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Auf den Typen kommt es an

Kurze, gegelte Haare. Dreitagebart. Schmale Lippen, ein kühler Blick - der Mann auf dem Bild (Foto) sieht unheimlich aus. Sein Phantombild schlummert in den Polizeiakten.

07.12.2007

Auf den Typen kommt es an

Bis heute fehlt jede Spur von dem Unbekannten, der vor zwei Jahren in Hörde ein 11-jähriges Kind in seine Gewalt brachte und auf ein Brachgelände zog. Das Fahndungsbild des Gewalttäters ist am Computer entstanden - anhand der Aussagen des Opfers und zweier Zeuginnen haben es Experten des Landeskriminalamtes angefertigt. "Es sieht dem Täter wirklich sehr ähnlich", fand eine der Frauen.

Dass die Veröffentlichung des Bildes nicht zu einer Festnahme führte, ist für Hans Jacobi, Chef der Mordkommission, nicht ungewöhnliches. "Für uns ist das oft nur die letzte Möglichkeit, einen Verbrecher zu erwischen", sagt der Kommissar.

Die Qualität der Phantombilder hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert - manche sind von einem Passfoto kaum mehr zu unterscheiden. "Aber die Bilder spiegeln nur den Eindruck wider, den die Zeugen von dem Täter haben, und nicht sein tatsächliches Aussehen", sagt Ingo Westphal vom LKA. Wichtig sei es deshalb, den "richtigen Typ" abzubilden - allzu genaue Visualisierungen könnten Menschen davon abhalten, einen Verdacht zu äußern. Aus diesem Grund fertigen er und seine vier Kollegen die Bilder meist auch in schwarz-weiß an. "Farbe schränkt zu viel ein, da bleibt zu wenig Raum zu spekulieren."

Vielen die glauben, sie selbst könnten nie einen Verbrecher genau genug beschreiben, widerspricht Ingo Westphal: Das LKA arbeite mit Referenzbildern, aus denen verschiedene Merkmale zusammengestellt würden. Zudem präge sich ein Gesicht oft auch erst durch die Tat ein: "Sie wissen niemals, wer gestern Abend mit ihnen im Café saß. Stößt aber einer der Gäste eine Tasse um, erkennen sie ihn auch drei Tage später auf der Straße wieder."

So gelinge es den Experten nahezu immer, mit Hilfe der Zeugen ein Digital-Portrait anzufertigen. Ist das Bild gelungen, steht einer Veröffentlichung nichts mehr im Wege - anders als bei realen Täterfotos (z. B. aus Überwachungskameras oder dem Polizeiarchiv) gibt es für die Verbreitung eines Phantombildes meist schnell eine richterliche Genehmigung.

Die Publikation führt aber in der Regel nicht zu einem hohen Aufkommen an Hinweisen. "Wir arbeiten natürlich alle Tipps ab, meist ist aber keine heiße Spur dabei", sagt Jacobi. Polizeisprecher Wolfgang Wieland fand heraus, dass in den vergangenen Jahren in Dortmund nicht ein einziger Täter mit Hilfe eines Phantombildes überführt wurde.

Die schlechte Quote ist offenbar eher ein Zufall: Laut Westphal führt landesweit etwa jedes dritte Phantombild zu einem Fahndungserfolg. Andreas Wegener

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