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Aufklärungsquote in der Nordstadt über NRW-Schnitt

Weniger Kriminalität in Dortmund

Am Mittwoch hat die Dortmunder Polizei die Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr veröffentlicht. Eigentlich mit erfreulichen Ergebnissen. So ist die Gesamtzahl der Straftaten zurückgegangen. Doch das könnte Konsequenzen für die Bandenkriminalität haben.

DORTMUND

, 07.03.2018
Aufklärungsquote in der Nordstadt über NRW-Schnitt

Polizeieinsatz mit einem Rauschgift-Spürhund auf der Münsterstraße: Mit solchen Schwerpunktkontrollen stellt die Polizei immer mehr Straftaten fest. © Peter Bandermann

Deutlich weniger Straftaten als vor fünf Jahren und mit 57,3 Prozent die höchste Aufklärungsquote seit 20 Jahren – die Pressekonferenz am Mittwoch war für Polizeipräsident Gregor Lange mehr als eine Chronistenpflicht – „weil wir positive Botschaften zu verkünden haben“, sagte er. 2013 waren noch 80.540 Straftaten in die Statistik eingeflossen, 2017 waren es 67.291. Mit einer lokalen Aufklärungsquote von 63 Prozent liegt die Nordstadt-Polizei nicht nur über dem Dortmunder Wert, sondern auch deutlich über dem NRW-Durchschnitt, der bei 52,3 Prozent liegt. Das sind Zahlen, die nicht in das „Alles-wird-immer-schlimmer“-Bild passen.

Rückgang der Raubstraftaten

Den Rückgang der Raubstraftaten in dem Stadtbezirk um die Hälfte in fünf Jahren (2013: 472 / 2017: 226) führen Gregor Lange und Kriminaldirektor Walter Kemper auf eine intensivere Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und anderen Sicherheitsbehörden wie Ordnungsamt, Ausländerbehörde, Staatsanwaltschaft und Zoll zurück.

Auf organisierte Kriminalität spezialisierte Ermittler und Ermittlungskommissionen übten gerade in der Nordstadt einen enorm hohen Kontrolldruck aus – eine „Täterverdrängung in andere Städte“ sei möglich, sagte Gregor Lange über die Repressionen, die auch „zu einer hohen Zahl von Untersuchungshaft-Beschlüssen“ geführt hätten.

In wichtigen für das öffentliche Sicherheitsgefühl relevanten Straftaten-Bereichen wie Taschendiebstahl, Straßenraub und Wohnungseinbruch gehen die Zahlen in der gesamten Stadt deutlich zurück – jedoch nicht bei der Rauschgift-Kriminalität. Dass die Zahlen dort steigen, sei ein „Arbeitszeugnis für die Polizei“, die durch den hohen Kontrolldruck immer mehr Straftaten aufkläre und die Zahlen in die Höhe treibe. „Irgendwann müssen die Zahlen auch sinken“, sagte Gregor Lange, ohne ein Zeitziel zu nennen. Für ihn und Walter Kemper steht fest: „Es gehen erhebliche Mengen an Drogen in die Nordstadt. Wir müssen den Clans weiter die Arbeit erschweren.“

Professionell organisierte Banden würden die Drogen in den Bezirk schmuggeln. Dort übernähmen dann Banden die Unterverteilung. „Läufer“ würden die Endkunden beliefern. Die Dealer bereicherten sich am Elend der schwerstabhängigen Heroinsüchtigen. Die Luxus-Limousinen der Drogenbosse stünden in der Münsterstraße und in Innenhöfen. Die Polizei konnte in Ermittlungen seit 2013 Kontakte zwischen einem libanesischen Drogen-Clan aus der Nordstadt zu Landsmännern in Berlin nachweisen.

„Miri-Clan“-Mitglieder in Haft

Führende Köpfe des Dortmunder „Miri“-Clans sitzen seit 2015 hinter Gittern. Seine Gebietsansprüche und Vormachtstellung beim Kokainhandel in der Nordstadt setze der Clan teils mit Gewalt durch. Kaum saßen die Täter hinter Schloss und Riegel, hätten weitere libanesische und kurdische Clans versucht, neue Marktanteile zu sichern – es sei zu Gewaltausbrüchen teils mit Schusswaffen gekommen.Der straff organisierte Miri-Clan ließ nicht locker – und die Polizei auch nicht: Mitte 2017 nahmen die Ermittler vier weitere Männer fest. Deren Zentrale war ein türkisches Café in der Nordstadt. Von dort aus wickelten sie den Drogenverkauf für die gesamte Stadt ab.

Einer von vier Tatverdächtigen wurde bereits verurteilt. Gegen drei Komplizen sind Anklagen erhoben worden.

Die Ermittlungskommissionen arbeiten nicht nur im Drogenmilieu gegen ausländische Straftäter an. Auch Taschendiebe, Trickbetrüger und Einbrecher arbeiten international. Rumänien, Bosnien und Albanien sind Länder, aus denen Serientäter stammen. Ihnen das Handwerk zu legen, sei schwer. Dennoch führt Gregor Lange den deutlichen Rückgang bei schweren Straftaten wie Wohnungseinbruch und Raub auf die Arbeit der insgesamt acht Dortmunder Ermittlungskommissionen mit Namen wie „Nordstadt“, „Maghreb“, „Engel“ und „Luise“ zurück. Die Teams erwirkten mehrere Hundert Haftbefehle und ermittelten fast 3300 Tatverdächtige. In vielen Fällen führten die Ermittlungen weit über Dortmunds Stadtgrenzen hinaus, denn die Täter sind mobil.

In Dortmund konnten die Ermittler 2017 bei zwei Konzerten fast 30 von „Festival-Tätern“ begangene Taschendiebstähle klären: Ausländische Banden folgten den Konzerttourneen beliebter Bands und gingen in großen Menschenmengen auf Beutezüge.

Laut Walter Kemper habe sich unter den Banden herumgesprochen, dass die Justiz den Einbruch inzwischen als Verbrechen bewerte und bereits langjährige Haftstrafen verhängt habe. Der Kriminaldirektor: „Wir werden erkennen müssen, ob die Banden auf andere Straftaten umsteigen oder in andere Länder weiterziehen.“ Die Ermittlungskommissionen bleiben bestehen.

NRW stellt in diesem Jahr 500 zusätzliche Regierungsbeschäftigte bei der Polizei ein. 19 davon in Dortmund. Regierungsbeschäftigte arbeiten bereits bei der Spurensicherung und in anderen Spezialgebieten. Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität gibt es erst im Sommer 2018.
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