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Bariton für alle Fälle

Seit Weihnachten hatte er maximal zwei Tage am Stück frei - und musste in der Zeit auch noch neue Rollen lernen. "Ich lebe zurzeit wie ein Mönch", sagt Simon Neal. Und lacht. Denn sechs Opern in zehn Tagen zu singen - genau das war es, was er wollte, als er sich im Jahr 2000 gegen seinen Job als Marketing-Direktor eines Konzerns und für eine Karriere als Sänger entschied.

05.03.2008

Bariton für alle Fälle

<p>Simon Neal in natura (l.) und als teuflischer Nick Shadow auf dem Plakat für "The Rake's Progress", dirigiert von Jac van Steen (r.). Reminghorst</p>

Sein Vater habe ihn damals für verrückt erklärt, sagt der 44-Jährige, der die Oper seit 2005 als Bariton verstärkt. Doch sein Mut, die gut dotierte Stellung gegen die große Leidenschaft zu tauschen, hat sich ausgezahlt. Simon Neal kommt in Dortmund richtig groß raus - zumeist in etwas düsteren Rollen, die gut zu seinem dunklen Bariton passen.

Er ist der Rigoletto und der "Sharpless" in Madama Butterfly. Beim Doppel-Abend "Cavalleria rusticana / I pagliacci" singt er als einziger Solist gleich in beiden Opern. Er ist der Jochanaan in Richard Strauss' Salome, und er wird den "Nick Shadow" in Strawinskys Oper "The Rake's Progress" singen, die am 30. März Premiere feiert und zurzeit heftig geprobt wird.

Wie geht es der Stimme bei so vielen Einsätzen? "Die Stimme ist kein Problem", sagt Neal, "nur der Körper und der Kopf sind ein bisschen müde." Immerhin musste er für seine sechs Rollen nicht nur sechs italienische und englische Texte und Betonungen, sondern auch sechs Bewegungsabläufe lernen. Noch dazu unter einer anspruchsvollen Regisseurin wie Christine Mielitz. "Sie schafft es, dass man über jedes Wort nachdenkt, das man singt", sagt Simon Neal bewundernd - bei ihren Inszenierungen werde viel diskutiert und interpretiert.

"Simon ist aber auch ein Sänger, der sich das wünscht. Der alles aufsaugt", lobt der designierte Generalmusikdirektor Jac van Steen, der den Bariton in den vergangenen Wochen gut kennen gelernt hat. Vielleicht hat er das Gefühl, vieles aufholen zu müssen - schließlich singt Simon Neal professionell erst seit acht Jahren. Und noch genießt er den Stress. "Fünf Rollen in einer Saison - so etwas bekommt man nur in Deutschland", meint er. Sogar einen Ausflug ins Wagner-Fach absolvierte der Sänger im vergangenen Jahr - natürlich mit Bravour. pin

Das nächste Mal auf der Bühne steht Simon Neal in Puccinis "Madama Butterfly" am Freitag, 7.3., 19.30 Uhr in einer Inszenierung von Christine Mielitz unter der musikalischen Leitung von Jac van Steen .

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