Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Baubranche: Die Billigarbeiter sind weg

29.08.2007

Aufatmen bei den Baugewerbeverbänden Westfalen: Jahrelang waren kleine und mittelständische Betriebe in Dortmund durch Billigfirmen in Bedrängnis gebracht worden. Bei den Firmen handelte es sich vorwiegend um Ein-Mann-Betriebe aus Osteuropa, die ihre Leistungen zu Dumpingpreisen anboten.

Doch diese Konkurrenz ist nicht mehr da. Sie ist abgewandert. Nach Großbritannien. In London finden 2012 die Olympischen Spiele statt, was zu einem Bauboom an der Themse geführt hat.

Hauptgeschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop ist über diese Entwicklung nicht unglücklich. Denn die Arbeitskräfte aus Osteuropa, die häufig als Selbstständige kamen, waren bereit, zu wesentlich geringeren Löhnen zu arbeiten. "Da konnten unsere Fachbetriebe, die zur Tariftreue verpflichtet sind, nicht mithalten."

Die Novellierung der Handwerksordnung, die für bestimmte Berufe keinen Meisterzwang mehr vorsieht, sei eine der Ursachen für die zunehmende Verschärfung des Preiswettbewerbs gewesen. Hiervon ist insbesondere das Fliesenlegerhandwerk betroffen. Schulte-Hiltrop: "Jeder kann im Baumarkt ein paar Fliesen, Mörtel und die Videoanleitung zum Fliesenlegen kaufen und ein Gewerbe als Fliesenleger anmelden." Damit habe die Abschaffung des Meisterzwangs, so Schulte-Hiltrop, erhebliche Auswirkungen auf den Qualitätsstandard.

Wer sein Badezimmer durch Billiglöhner fließen lasse, zahle nicht selten drauf, warnt Schulte-Hiltrop: "Das dicke Ende kommt dann, wenn sich Baumängel einstellen. Da entpuppt sich das vermeintlich günstige Angebot letztendlich als teure Mogelpackung."

Stellenabbau

Die Gefahr durch osteuropäische Billigarbeiter am Bau ist zwar gebannt. Doch droht der Branche laut Schulte-Hiltrop bereits neues Ungemach. Immer mehr Arbeitslose gründen nämlich einen Hausmeister-Service. "Das wäre eigentlich kein Problem, wenn sie nur kleinere Reparaturen durchführen würden." Allerdings würden sie auch immer öfter Mauern hochziehen und Badezimmer sanieren - und das in "saumäßiger Qualität". Für kleinere Baufirmen bis zehn Mitarbeiter seien die Auswirkungen besonders dramatisch. Für die Betriebe bedeute das: "Abbau von Arbeitsplätzen - und zwar radikal." ar

Lesen Sie jetzt