Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bilder, die kleben bleiben

14.10.2007

Die Bühne ist übersät mit roten Herz-Ballons. Ein Tänzer pumpt sie auf, bis sie platzen. Zu viel Herz ist eben auch nicht gut... Im Tanztheater Cordula Nolte ging es Freitag um "Herzblut" - ironische Brechungen inklusive, das war dank der Eingangsszene gleich klar. In abgeschlossenen Szenen und Miniaturen erzählt die freie Bühne in der Weststadt Herzensangelegenheiten - eine Neuinszenierung von 1998 und ein gefeierter Abend zum Lachen, Schwelgen, Nachdenken.

Maskenhaft grinst das zehnköpfige Ensemble einander an, winkt kokett ins Publikum. Doch unterschwellig tobt der Konkurrenzkampf. Eine nach der anderen plaudert intime Geheimnisse der anderen aus: "Die Kirsten, die Kirsten, die macht's nur mit Gepiercten", singt eine Tänzerin auf die Melodie eines Kinderliedes.

Es geht aber auch ganz anders: Einen zart-innigen, ineinander verschlungenen Pas-de-deux gibt es zu dem Erich-Fried-Gedicht "Es ist was es ist". Eine laszive Hippie-Nummer erinnert an die "Love and Peace-Ära"; wie im Drogenrausch fliegen die Haare, zucken die Leiber der ausdrucksstarken Ensemblemitglieder, die ebenso viel Tänzer- wie Theaterblut in sich haben - ein Glücksfall.

Es ist starkes Bildertheater mit Szenen, die kleben bleiben - etwa jene vom Geburtstagskuchen, gebildet aus eng im Kreis stehenden Tänzerinnen mit einer Kerze auf dem Kopf. Ein traurig-einsames Geburtstagskind bläst sie aus, leise erklingen Drehorgel-Takte: Zum Geburtstag viel Glück. Doch das scheint unerreichbar: Die Torte verschwindet vor seinen Augen, je mehr sich das Geburtstagskind ihr nähert - so ist das wohl mit Herzenswünschen.

Neben dem Zickenkrieg gibt es auch einen Beitrag zum Thema Männerfreundschaft, einen herr-lichen Pas-de-deux der beiden Compagnie-Männer, die symbolträchtig ihre Freundschaft inszenieren: Räuber-und-Gendarm spielend tollen sie durch die Herz-Landschaft, klopfen sich männerhaft auf die Schultern, klatschen sich ab - eine gelungene Ironisierung der männlichen Gefühlswelt. Katrin Pinetzki

Termine: 20., 27.10., 20 Uhr, Paulinenstr./Ecke Rheinische Str., 13,50 Euro

Lesen Sie jetzt