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Blicke auf Zierde der Stadt

Als "stolze Zierde Dortmunds" bezeichnete die größte Dortmunder Tageszeitung die Synagoge am Hiltropwall bei der Einweihung am 8. Juni 1900.

09.12.2007

Blicke auf Zierde der Stadt

<p>Auf großes Interesse stießen die historischen und neu animierten Bilder der Alten Synagoge. Reminghorst</p>

Nur 38 Jahre später klang das unter der NS-Regierung anders. Da war der Prachtbau nur noch der "Judentempel, der das Stadtbild nicht verschönert hat".

Beim Tag der offenen Tür in der aktuellen Synagoge an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße konnten sich die Besucher ein eigenes Bild machen. Dr. Günther Högl, Leiter des Stadtarchivs, zeigte alte Bilder und eine Computersimulation, die Architekturstudenten der TU Darmstadt entwickelt hatten. Sie verdeutlichen, warum das Gotteshaus aus rotem Sandstein damals als eine der schönsten Synagogen des Deutschen Reichs galt.

Der damals noch junge Architekt Eberhard Fürstenau zeichnete verantwortlich für Planung und Realisierung. Später machte er sich einen Namen als Erbauer der Deutschen Oper in Berlin. Bereits in frühen Entwürfen ist auch schon die Stelle zu sehen, an dem später die zweitgrößte Orgel der Stadt ihren Platz fand. "Es handelte sich um eine liberale Reform-Synagoge, in der auch Orgelkonzerte und Versammlungen stattfanden", so Högl.

Nachdem im Inneren der Synagoge angeblich "staatsfeindliche Schriften" gefunden wurden, beschlossen die Stadtoberen, das Gebäude abzureißen. Nur wenige Fotos zeugen von den Abbrucharbeiten, die mit der Sprengung am 21. September endeten. Damit gehörten die Dortmunder Synagoge und die jüdischen Gotteshäuser in Nürnberg zu den ersten, die noch vor der Reichspogromnacht im gleichen Jahr zerstört wurden.

Heute sind es vor allem Kinder, die ohne Berührungsängste die neue Synagoge besuchen. "Es ist zwar etwas Besonderes für sie, jüdische Mitbürger zu treffen", meint Rosa Rappoport, Religionslehrerin in der jüdischen Gemeinde Dortmund. "Sie sind aber fast alle positiv neugierig."

Künftig sollen regelmäßige Tage der offenen Tür Besucher anlocken. Früher habe man sich mit der Außendarstellung etwas zurückgehalten, "doch wir wollen noch offener auf die Leute zugehen", so Religionslehrer Alexander Krimhand. Schließlich habe man einiges zu bieten. Zum Beispiel einen der wenigen Lebensmittelläden für koscheres Essen. "Den nächsten gibt es erst in Antwerpen." jo

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