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"Böhse Onkelz"-Gitarrist gab sich brav

DORTMUND. Die Fans wollten in "Böhser Onkelz"-Nostalgie schwimmen. Doch der Ex-Gitarrist Matt "Gonzo" Roehr der ehemaligen Skandal-Band geht musikalisch neue Wege. Aber wenigstens mit "Ein langer Weg" befriedigte Gonzo am Sonntagabend beim Auftritt im "Live Station" die Onkelz-Forderungen der Fans.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 07.01.2008
"Böhse Onkelz"-Gitarrist gab sich brav

Matto "Gonzo" Roehr (l.) und seine Crew beim Konzert am Sonntagabend in der Live Station.

Auf diesen Song haben 400 Leute in der "Live Station" am Dortmunder Hauptbahnhof gewartet,  stolze 37 Euro dafür hingeblättert: Als Matt „Gonzo“ Roehr „Ein langer Weg“ spielt, ist es endlich da, das Böhse Onkelz-Gefühl. Hoch mit dem Onkelz-Schal, raus mit dem Refrain: „Wir hatten nichts zu verlier’n, und wir waren nicht allein!“ 

Die Onkelz sind ein Phänomen, und Roehr als ihr Gitarrist hat alle Häutungen der Band mitgemacht. Anfang der 80er waren sie Punks. Dann Oi-Skins unter Rechtsaußen-Verdacht. Dann Metaller mit Matte, die sich zu Geächteten stilisierten. Als Veteranen gaben sie 2005 ihr Abschiedskonzert, leben aber in Coverbands und auf Auto-Heckscheiben weiter. 

Schwer zu sagen, was die Faszination der Band ausmacht. Wohl das trotzig Kämpferische. Onkelz-Texte variieren feste Motive: Allein gegen alle. Keine Kompromisse. Wut als Motor. Stolz in die Hölle. –Musik für Macker.  Und so stellten die Herren 95 Prozent des Publikums in der Live Station. Treffen einer Bruderschaft. Gonzogonzo!-Rufe vor der ersten Note. Roehr präsentiert das Album „Barra Da Tijuca“, eingespielt in seiner Wahlheimat Südamerika.

Mainstream-Rock

Erster Eindruck: Midtempo-Mainstream-Rock. „Just Be Yourself“ klingt nach Foreigner. Sülzende Soli, lange Melodiebögen im Gesang von Charlie Huhn, der schon mit Ted Nugent und Gary Moore unterwegs war. „Best Day Of My Life“: genauso hausbacken.  Mit Slidegitarre zollt Onkel Roehr dem Südstaaten-Rock  Tribut. Allman Brothers revisited.  Beim fünften Song roehrt seine Klampfe im Stil seiner Helden Rose Tattoo. Einsatz der brasilianischen Rhythmussektion. Fusion-Rock wie „Hasta Un Cualquier Dia“ zeigt Latino-Temperament. Trotzdem bloß Heavy Santana für Arme. Bassmann Marcelo  bestreitet ein funky Solo mit Deep Purple-Zitat („Black Night“). „All along the watchtower“  kommt auch ganz nett. “Wheel Of Fortune” ist wieder Biedermann-Rock. Den Fans scheint das schnurz. Hauptsache, es gibt wenigstens eine Onkelz-Hymne zum Mitgröhlen.

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