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Die Angst vor dem Amoklauf

DORTMUND Mit der Festnahme eines Drogenabhängigen konnte die Polizei am Dienstag im Schulzentrum Hombruch eine vierstündige, undurchsichtige Situation entschärfen.

von Von Peter Bandermann

, 11.12.2007

Um 12.30 Uhr hatte am Dienstag  ein Zeuge dem Polizei-Notruf einen betrunkenen „Randalierer“ auf der Stockumer Straße, der in seiner Wohnung sehr laute Musik abgespielt hatte. 30 Minuten später tauchte der 35-Jährige auf dem Gelände der Robert-Koch-Realschule und des Helene-Lange-Gymnasiums auf. Der Mann war mit einer „Soft Air“-Pistole bewaffnet und hatte aus 20 Meter Distanz auf zwei Schüler gezielt.

Hermetisch riegelten Lehrer und Polizisten die Schulgebäude ab. Auch die Lehrer der Schubert-Grundschule und die benachbarte Kindertagesstätte reagierten. Betroffen waren 600 Kinder und Jugendliche. Den Ablauf gab das im März 2007 in Dortmunder Schulen theoretisch eingeführte Handlungskonzept „Amok“ vor. Am Abend bewerteten Polizeipräsident Hans Schulze, Realschulleiter Achim Bahrenberg und Frauke Bremer als Leiterin der Schubert-Grundschule den ersten Fall einer praktischen Zusammenarbeit als „optimal“.

Ein Szenario wie in Emsdetten

In kurzen Abständen erhöhte sich ab etwa 14 Uhr die Zahl der Eltern, die u. a. nach dem Amoklauf in Emsdetten ein ähnliches Szenario vor Augen hatten. Doch die Sorge der Eltern wirkte unbegründet. Denn während die Polizei nach dem Täter fahndete, machte sich auf dem Schulhof und in den Klassen ausgelassene Stimmung breit. „Wir wollen hier raus“, skandierten die Klassen im Chor. Jugendliche, die ihre Räume nicht verlassen durften, unterhielten sich bei geöffneten Fenstern mit Freunden, die auf dem Schulhof warteten.

Eine Bedrohung war nicht zu erkennen. Wohl aber die schlechte Stimmung einiger Eltern, die sich von der Polizei schlecht informiert fühlten. Ein teilweise unfreundlicher Unterton einzelner Beamter verstärkte diesen Eindruck, als ab 16 Uhr die Übergabe der Kinder organisiert wurde. Während viele inzwischen erleichterten Eltern gegen 17 Uhr vor den Eingangstüren der Schulen auf ihre Kinder warteten, erkannte ein Polizist in der Dunkelheit den Verdächtigen – schlagartig veränderte sich die Situation. Sofort wurde der Verdächtige auf dem Lehrerparkplatz vor der Realschule überwältigt. Zu seinem Motiv konnten am Dienstagabend keine Angaben gemacht werden.

In den Schulen findet am Mittwoch der Unterricht statt. Die Polizei besucht die Klassen in den nächsten Tagen, um das Geschehen mit Lehrern und Schülern aufzuarbeiten.

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