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Die Frauen-Fotografin

Ateliers bleiben dem Kunstfreund meist verschlossen. Wie arbeiten Dortmunder Künstler? Heute öffnet Fotografin Eva Horstick-Schmitt uns ihr Atelier.

11.12.2007

Die Frauen-Fotografin

<p>Puppen-Parade vor dem Haus der Fotografin. Foto Horstick-Schmitt</p>

Die Fotografin wohnt in einem über 70 Jahre alten, blau gestrichenen Holzhaus im Dortmunder Süden. Wenn sie in ihr Atelier will, muss sie nur quer durch den Garten laufen. Eine ehemalige Garage, ebenfalls mit blauem Holz verkleidet, ist ihr Studio. "Eigentlich bin ich gar kein Ateliermensch", sagt die 49-Jährige, während sie die Tür öffnet, "am liebsten bin ich draußen mit der Kamera".

Mit acht Jahren entdeckte Eva Horstick-Schmitt ihre Liebe dazu, Augenblicke mit der Kamera einfach festzuhalten, mit 10 bekam sie den ersten Apparat geschenkt. Heute stapeln sich an den Wänden ihres Ateliers großformatige Fotografien aus diversen Ausstellungen. Verschiedenfarbige Leinwand-Hintergründe kann sie hier hinunterfahren, vor ihnen entstanden viele Porträts jener Menschen, die sie am liebsten und fast ausschließlich ablichtet: Frauen.

Sie fotografierte in Süd-Afrika und im Kosovo, in Moskau und in New York, und stets waren ihre Motive Frauen und deren Lebensbedingungen. Im Kosovo stieß sie auf Zwangsprostitution; das Thema ließ sie nicht wieder los. Vier Mal reiste die zierliche Frau mit ihrer schweren Leica R 5 in den Landstrich zwischen Albanien und Serbien, fotografierte Frauen, Zuhälter, Polizisten. Ihre daraus entstandene Ausstellung "Eva jenseits von Eden" geht seitdem um die Welt, die Bilder von Nägeln auf nackter Haut und malträtierten Körpern waren unter anderem in London, Prizren, Berlin und auch im Museum am Ostwall zu sehen. "Solche Reportagen kann man sich nicht immer antun", sagt sie, "es färbt auf die Seele ab".

Auf der anderen Seite ist es das Thema Schönheit, das sie fasziniert. Für eine Arbeit zum Thema häusliche Gewalt lebte sie monatelang mit dutzenden Puppen in ihrer Wohnung - "ich wollte wissen, wie es ist, sich ständig mit perfekter Schönheit zu umgeben." Zur Fußball-WM ließ sie ein nacktes Puppen-Team vor ihrem Haus posieren.

Die Fotografin, die ihre Karriere zunächst als Model und dann Model-Fotografin begann, arbeitet sich an den vermeintlich perfekten Körpern ab, zerlegt sie, will das Perfekte aufbrechen. Und doch ist die Frau bei Horstick-Schmitt nicht nur als Opfer ein Motiv. Ihre Porträts zeigen ein starkes, schönes, einzigartiges Geschlecht. "Frauen sind undurchsichtiger, spannender als Männer", meint sie. Katrin Pinetzki

www.arteve.de www.horstick-schmitt.de

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