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Die Jazzer mit der Pappnase

DORTMUND Einmal im Jahr setzen sich fünf ernst zu nehmende Jazzmusiker aus Dortmund die Pappnase auf. Als "Original Jallermann-Klangtett" begleiten sie die Geierabend-Crew durch den alternativen Ruhrgebiets-Karneval. Mit den Musikern sprach RN-Redakteurin Katrin Pinetzki.

von Von Katrin Pinetzki

, 19.12.2007

Gab es bei Ihnen keine Berührungsängste, sich auf die närrische Bühne zu stellen und Tusche zu spielen? Andreas Ruhnke (Schlagzeug): Also, zum einen wollten wir eine Alternative zum üblichen Karnevalsgedöns bieten. Und die steigenden Zuschauerzahlen zeigen ja, dass es ankommt. Manchmal ist es allerdings schwer, sich als Musiker in den Dienst der Show zu stellen.Matthias Dornhege (Tuba):Wir sind Musiker - und gleichzeitig Musikanten.

Und wenn das Publikum anfängt zu schunkeln und im Takt zu klatschen? Dornhege: Wenn die Leute auf 1 und 3 klatschen, dann stellen wir auf 2 und 4 um ... und dann schnell wieder auf 1 und 3. Und Schunkeln ist doch ein wunderbares Zeichen, dass es ihnen gefällt!

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Wort-Künstlern? Gilda Razani (Saxophon): Wir versuchen jedes Jahr, so viel Platz wie möglich zu bekommen ... Natürlich nehmen wir auch Einfluss aufs Programm und sagen unsere Meinung.Ruhnke: Musik ist die halbe Miete des Geierabends, ein reines Wortprogramm würde die Zuschauer ermüden. Nach der Pause haben wir die einzige Gelegenheit, mal eine Funk-Nummer zu spielen, ansonsten machen wir ja szenische Musik.Dornhege: Wir verstehen uns als Zwölfer-Truppe, wir sind alle zusammen die Panneköppe und haben die gleiche Stimme - aber am Ende entscheidet die Regie.

Verraten Sie schon etwas über die Songs im aktuellen Programm? Dornhege: Also, die AWO-Oppas zeigen sich diesmal recht interessiert an den aktuellen Charts. Und es wird einen Song einer jungen, britischen Drogensüchtigen geben, die zurzeit eher auf dem absteigenden Ast ist. Dieses Lied wird bei uns in robust-bodenständiger Weise von einer leicht gehbehinderten Dame in blauem Bademantel interpretiert ...Ruhnke: Und der Sommerhit des Jahres kommt natürlich auch vor.

Gibt es etwas, das Sie nie spielen würden? Ruhnke: Wenn es der musikalisch-ästhetischen Wahrheitsfindung dient, spielen wir alles!Ist der Geierabend für Sie ein Höhepunkt des Jahres - oder ein Pflicht-Termin zum Geldverdienen?Ruhnke: Wir sind vier Monate des Jahres allein mit dem Geierabend beschäftigt, natürlich verdienen wir damit auch unser Geld.Dornhege: Der Geierabend ist für mich ein Lebensmittel- punkt. Ohne ginge es gar nicht mehr. Ich lache mich auch noch schlapp, wenn ich die Show zum vierten und fünften Mal sehe.Bettina Hagemann (Geige/Bass): Die Pflicht daran ist, dass man alles andere zurückstellen muss. Wir haben ja alle noch andere Projekte.

Gelingt es, das Geierabend-Publikum auch zu Ihren anderen Konzerten zu locken? Razani: Vielleicht verläuft sich mal einer, aber die Geierabend-Massen gehen eher nicht zu unseren Konzerten. Anders herum interessiert es in der Jazzszene auch niemand, dass wir beim Geierabend sind.

Frau Hagemann, Sie sind noch recht neu beim Jallermann-Klangtett ... Hagemann: Ja, ich bin eine Art Libero, der in die Lücken springen und viele Seiten - und Saiten - bedienen muss. Ich war schon immer begeisterte Geierabend-Besucherin und kannte auch die Musiker schon. Außerdem habe ich Erfahrung im komischen Metier: Ich komme aus Recklinghausen und habe damals mit Hape Kerkeling in einer Schülerband gespielt. Er hat gesungen, ich habe Geige gespielt.

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