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Die Mastgans, der Papst und grellbunte Jacken

17.12.2007

Die Mastgans, der Papst und grellbunte Jacken

<p>Wiglaf Droste.</p>

Vor lauter (und lauten) Comediens und Fernseh-Clowns geraten sie leicht aus dem Blick: die Satiriker. Das sind jene Autoren, die ihren Witz aus der Sprache schöpfen und deren Themen sich nicht in den Unterschieden zwischen Männern und Frauen erschöpfen. Wiglaf Droste und Fritz Eckenga gehören zu dieser Gattung. Am Sonntag lasen sie im domicil vor und verzichteten auf die Gage: Der Erlös geht an den Verein Halte-Stelle, der psychisch Erkrankten hilft.

Der gemeinsame Auftritt der beiden Westfalen - Droste lebt inzwischen in Leipzig, Eckenga erfreulicherweise noch immer in Dortmund - ist ein seltener Glücksfall, die Fan-Schnittmenge beider Autoren groß und ihre Themen ähnlich: Es geht häufig ums Essen und Genießen, um Sprache und um Religionskritik. Moderne Angeber-Begriffe wie "Zeitfenster", Sätze wie "Das muss kommuniziert werden" inspirieren Wiglaf Droste zu ätzenden Spott-Kolumnen, die er umso harmloser mit sanft-samtener Stimme vorträgt.

Fritz Eckenga dagegen lässt beim Lesen gerne die Rampensau heraus, verfällt ins derb Ruhrdeutsche und kostet seine Texte mit ihren ausgefeilten Alliterationen genüsslich aus. In "Kratzen gegen den Frieden" krrratzt der Eisschaber der Nachbarin so hässlich-grässlich auf dem Bürgersteig, dass man sich schon beim Erzählen die Ohren zuhalten möchte.

Wiglaf Droste wettert gegen grellbunte Wetterjacken und lässt Frau Gott an Weihnachten über einen neuen Tsunami nachdenken, während ihr Götter-Gatte dem aktuellen Papst vorsorglich den Zugang in den Himmel versperrt; Fritz Eckenga stellt Mutmaßungen über ein "Reise nach Jerusalem"-Spiel in der Sixtinischen Kapelle an, das zur Wahl Ratzingers geführt haben soll, und spendet der osteuropäischen Mastgans Ute lyrisches Mitleid.

Eine unheilige, umso lustigere Weihnachtslesung mit spektakulärem Abgang: Wiglaf Droste turnte Rad schlagend von der Bühne. pin

Die Mastgans, der Papst und grellbunte Jacken

<p>Fritz Eckenga. Archiv</p>

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