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Die Polit-Unternehmer

Bleibt die Konjunktur-Lokomotive unter Dampf? RN-Redakteur Achim Roggendorf sprach mit IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz.

28.12.2007

Die Polit-Unternehmer

<p>Konjunktur-Optimist: IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz. Reminghorst</p>

Herr Schulz, hat Sie auch der Optimismus gepackt?

Schulz: Nicht erst seit heute. Die wirtschaftlichen Rahmendaten waren 2007 so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Es deutet viel darauf hin, dass die Konjunktur auf festen Füßen steht.

Es wird also noch alles besser?

Schulz: Man muss kein Prophet sein, wenn man sagt, dass sich die Konjunktur weiter positiv entwickeln wird, wenn auch abgeschwächt. In unserer Blitzumfrage Ende November erwarten fast 90 % der befragten Firmen eine gleichbleibende oder sich verbessernde wirtschaftliche Entwicklung für 2008. Das sagt wohl alles über den Zustand der heimischen Wirtschaft aus.

Werden die Arbeitslosenzahlen in unserer Stadt weiter sinken?

Schulz: Davon bin ich überzeugt. Besondere Impulse erwarten wir von den IT-Dienstleistern, aber auch erfreulicher Weise aus großen Teilen der Industrie.

Was halten Sie von Mindestlöhnen?

Schulz: Von der derzeit absurd geführten Diskussion halte ich gar nichts. Bei einem Mindestlohn von 7,50 würde unsere gerade wiedergewonnene Wettbewerbsfähigkeit mit einem Schlag aufs Spiel gesetzt.

Aber ist es nicht ein Armutszeugnis, dass ein reiches Land wie Deutschland seinen Beschäftigten noch nicht einmal 7,50 pro Stunde für ordentliche Arbeit zahlen kann?

Schulz: Viele Branchen können diesen Lohn nicht zahlen. Der Wettbewerb gibt ihn schlicht und ergreifend nicht her.

Welche Gefahren lauern im kommenden Jahr auf die heimische Wirtschaft?

Schulz: Wir müssen uns weiterhin auf steigende Energiepreise einstellen, ein weiter ansteigender Euro-Kurs kann sich ebenfalls dämpfend auf die Konjunkturentwicklung legen, und die Auswirkungen der US-Immobilienkrise sind noch nicht in voller Höhe einzuschätzen. Ein flächendeckender, zu hoher Mindestlohn wäre der Einstieg in die nächste Konjunkturflaute.

Wie zufrieden sind die Unternehmer mit der Arbeit der Dortmunder Politiker?

Schulz: In unserer Blitzumfrage hatten wir auch gefragt, wo die Unternehmen die künftigen Arbeitsschwerpunkte der IHK sehen. Fast 39 % der Befragten, und das war die eindeutige Mehrheit, fordern uns auf, mehr Einfluss auf die Kommunal- und Regionalpolitik zu nehmen. Ich interpretiere das Ergebnis so: Die Unternehmen sind lange nicht in allen Punkten mit der Arbeit der Politik zufrieden.

Vor allem wenn es um den Ausbau des Flughafens geht, mimen die Stadtverordneten die drei Affen - nichts sehen, nichts sagen, nichts hören.

Schulz: Hier zitiere ich die Rede unseres Präsidenten, Udo Dolezych, zum Jahresempfang. Er sagte: "Unser Flughafen ist Wirtschaftsfaktor Nr. 1, und was wir dringend brauchen, ist die klare Positionierung der Dortmunder Politik zu dieser für die Wirtschaft der gesamten Region so wichtigen Infrastruktureinrichtung."

Was ist mit der Gewerbesteuer? Ist die nicht zu hoch?

Schulz: Die Gewerbesteuer in Dortmund liegt, verglichen mit anderen Städten in NRW, auf etwa gleicher Höhe. Für Unternehmen haben Standortfaktoren wie verkehrliche Infrastruktur, Arbeitslosigkeit, Image oder Fachkräftemangel einen höheren Stellenwert.

Trauern Sie noch dem Bahnhofsprojekt "3do" nach?

Schulz: Selbstverständlich bedauere ich, dass dieses Projekt nicht zustande gekommen ist. Wer letztendlich für das Scheitern verantwortlich ist, ist egal. So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen.

Wird Dortmund jemals einen neuen Hauptbahnhof bekommen?

Schulz: Es ist von Seiten der Politik zugesagt, dass bis zum Jahre 2010, in dem das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas ist, ein renovierter Bahnhof entsteht.

Dieses halte ich aber langfristig nicht für ausreichend. Wir brauchen an dieser Stelle so etwas wie eine Landmarke, die die Wichtigkeit Dortmunds im bundesweiten Schienennetz unterstreicht.

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