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Die Sprache als großer Brückenbauer

Einhelliger Tenor beim Empfang im Rathaus: Wenn die Chamisso-Tage irgendwo richtig aufgehoben sind, dann im Ruhrgebiet mit seinen 200 Nationen. Die deutsche Sprache sei ein Brückenbauer und die "Chamisso-Autoren" hätten Vorbildcharakter.

21.10.2007

Etwa für die 6600 Schüler, die bei den Chamisso-Tagen an der Ruhr die Lesungen verfolgen und das Gros von insgesamt 9000 Zuhörern stellten. 32 Autoren haben zwischen Dortmund und Duisburg (in Schulen und Kulturtreffs) die deutsche Sprache zum Klingen gebracht. Vorbildlich deshalb, weil ihre Muttersprache eine andere ist. Was den Schülern demonstriert: Man muss sein Deutsch nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben, um es darin zu großer Meisterschaft zu bringen. Und: Der Weg in die Mitte einer Gesellschaft führt über die Sprache. Sie ermöglicht Dialog und Miteinander.

Da war der Empfang am Samstag im Dortmunder Rathaus das beste Beispiel. Anwesend viele Köpfe aus Kultur und Politik, dazu Dutzende von Schriftstellern, darunter aktuelle und frühere Chamisso-Preisträger. Ob nun in der Türkei, in China oder Ungarn geboren - man spricht gepflegtes Deutsch.

Niemandem solle deutsche "Leitkultur" übergestülpt werden, stellte Oliver Scheytt (Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH) in seinem Grußwort klar. So sehr kulturelle Vielfalt erwünscht sei, so "verbindlich" sei aber auch der Erwerb von Sprachkenntnissen. Die Chamisso-Tage förderten das Zusammenspiel der Kulturen, so Scheytt, der die Robert Bosch Stiftung ermunterte, die nächsten Chamisso-Tage mit Blick auf 2010 wieder im Revier auszurichten.

Kultur-Staatssekretär Hans Heinrich Grosse-Brockhoff verwies auf die wirtschaftliche Dimension von Kultur. Vielfalt sei das Pfund, mit dem die "Metropole Ruhr" wuchern könne. Eine gemeinsame Sprache das Instrument zur Kommunikation zwischen Wissenschaft, Technik, Kultur und Politik.

"Die Kunst der Wissenschaft in neun mal drei Stühlen" war Titel einer Lyrik-Performance am Freitag im Künstlerhaus. Zehra Cirak sprach eigene Texte zu Stuhl-Objekten von Helmut Walter, Harald Ortlieb hat aus beidem einen Film gemacht. Subtil spöttelnde Betrachtungen zu Astronomie, Agrarindustrie, Chemie oder Medizin. Sprachlich geschliffen, pointiert vorgetragen. Walters Stühle erinnern an kleine Altäre mit Figürchen: Eine Kuh mit einem Verdauungsapparat aus Schläuchen, ein Flieger mit Krokodilskopf. Schöne Kombination aus Wort und Objekt. kai

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