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Die Suche nach den jungen Bill Gates

IT-Kräfte sind derzeit Mangelware. RN-Redakteur Achim Roggendorf sprach auf der CeBIT mit Thomas Ellerkamp (Foto), Leiter des dortmund-project über die Folgen für die Branche.

05.03.2008

Die Suche nach den jungen Bill Gates

Was ist bloß los mit der Technik interessierten Jugend? Warum fehlen die jungen Bill Gates jetzt im Aufschwung-Dortmund zu Hunderten?

Ellerkamp: Vielleicht liegt die Antwort schon in ihrer Frage. Viele stellen sich IT-Spezialisten noch als eigenwillige Tüftler vor. Tatsächlich sind hier Teamplayer gefragt, die neben den IT-Kenntnissen auch sehr viel Wissen über das Geschäft des Kunden mitbringen müssen.

Welche Rezepte haben Sie gegen den Fachkräftemangel?

Ellerkamp: Ohne IT läuft heute quasi nichts mehr: Die Waren kämen nicht mehr in den Läden an, es führen keine Autos mehr auf den Straßen und es gäbe weder Fernsehen, noch Radio oder Musik. Hier eröffnen sich Berufsperspektiven für Jahrzehnte.

Wir müssen gemeinsam mit den Unternehmen den jungen Menschen noch stärker dieses Berufsbild vermitteln. Denn der IT-Beruf steht im Wettbewerb mit Berufen in anderen Branchen. Wir müssen deshalb deutlich mehr für IT-Berufe werben.

Hinterlässt der Fachkräftemangel Bremsspuren? Verdienen die Firmen dadurch weniger Geld?

Ellerkamp: Heute scheint es tatsächlich so, dass der eine oder andere Auftrag nicht angenommen werden kann. Die Teams sind derzeit mit ihren Projekten voll ausgelastet. Und die Zeiten rückläufiger Absolventenzahlen liegen erst noch vor uns. Es gilt, mehr Absolventen in Dortmund zu binden.

Wie viele IT-Stellen sind in Dortmund unbesetzt?

Ellerkamp: Wir wissen nicht, wie viele Stellen gegenwärtig unbesetzt sind. Wir wissen nur, dass jedes dritte Unternehmen in diesem Jahr plant, Personal einzustellen. Aktuell läuft unsere jährliche Branchenerhebung. So viel kann ich schon verraten: Die Branche ist erneut ein deutlicher Jobmotor für Dortmund.

Warum findet in vielen Firmen keine vorausschauende Personalpolitik statt?

Ellerkamp: Das kann man so nicht sagen. Der überwiegende Teil der Firmen in Dortmund ist mittelständisch geprägt. Die meisten IT-Unternehmen haben zwischen zehn und 35 Mitarbeiter. Diese Unternehmen müssen ihr Personal kurzfristig der Auftragslage anpassen. Große Unternehmen haben die Möglichkeit, langfristiger zu planen und zu handeln.

Warum haben die Firmen in der Vergangenheit nicht mehr ausgebildet?

Ellerkamp: Tatsächlich haben Dreiviertel der IT-Unternehmen in Dortmund nicht ausgebildet. Hier muss sich etwas ändern. Im Jahr 2007 sind etwa 250 Ausbildungsplätze besetzt worden. Damit haben wir wieder das Niveau der Boomjahre von 2000 bis 2002 erreicht. Allerdings ist auch die Anzahl der Betriebe seit 2000 um 140 gestiegen.

Der Mangel tritt nicht plötzlich auf. Wer hat Schuld?

Ellerkamp: Ich will niemandem die Schuld dafür geben. Ich fordere die Verantwortlichen aber auf, sich gemeinsam mit den Verbänden, denn Kammern und uns für ein modernes, attraktives Berufsbild einzusetzen.

Wir müssen bei den jungen Menschen und insbesondere bei den Mädchen für die Ingenieurberufe werben, nicht nur für IT-Berufe. Wir müssen deutlich machen, dass sich hier hervorragende und vielseitige Lebensperspektiven bieten. Bei Maßnahmen wie dem Kinder- und Jugendtechnologiezentrum KITZ.do oder dem JOY-Wettbewerb können sich die Unternehmen auch selbst einbringen.

Siehe CeBIT-Sonderseite

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