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Die schamlosen Schleimer

24.08.2007

Erst fummeln sie mit den Fühlern, dann umglitschen sie sich innig. Der Schneckenkerl imponiert noch schnell mit einem 5-10 mm langen Kalkstilett, bevor die Natur ihren amourösen Lauf nimmt: Im fahlen Mondlicht wechseln die Gene den Besitzer. Eine fast romantische Szene, die sich ständig in den Kleingartenanlagen (KGA) abspielt - leider viel öfter als üblich.

Nach dem Schleimerstündchen vergräbt die frisch gebackene Mama ihre Eier. Drei Wochen später schlüpft ein Häufchen hungriger Zipfelchen und frisst, frisst, frisst.

Der Akt selbst verläuft stumm, die passenden Geräusche machen andere: "Darüber stöhnen hier alle", sagt Karl-Heinz Beese (Foto 1). Seinen Garten in der KGA "Zur Quelle" hat er seit 2003 zu einem wahren Blumenmeer ausgebaut. Die schlüpfrigen Schädlinge bekämpft er in Handarbeit: "Ich sammle morgens und abends, dann schmeiße ich die in Salzwasser. Oft nehme ich auch die Gartenschere."

"Von 15 Salatköpfen haben sie mir nur 4 übrig gelassen", sagt Dr. Ke-Won Paik (Foto 2) in der KGA "Fritz Husemann". "Ich habe es mit Bier probiert, aber ohne Erfolg."

Seltenes Glück hat bis jetzt Kurt Lohsträter (Foto 3), KGA "Zur Quelle": "Von unseren 24 Salatköpfen wurde nicht einer angefressen." Während seine Nachbarn über die kriechenden Vandalen fluchen, zeigt sich bei ihm kein einziger feuchter Fühler. "Wir haben den Garten erst seit März. Unser Vorgänger muss da irgendwas gemacht haben", rätselt Lohsträter.

Von einer "explosionsartigen Vermehrung" spricht Wilhelm Kallerhoff (Foto 4) vom Stadtverband Dortmunder Gartenvereine. Helfen würden nur verstärkte Gegenmaßnahmen (siehe Infokasten), die mit Kosten und Arbeit verbunden sind: "Und trotzdem wird noch viel weggefressen. Sehr ärgerlich", macht sich Kallerhoff Luft.

Neben der deutschen, roten Nacktschnecke sei auch die eingeschleppte amerikanische immer öfter zu sehen: "Die schleimen mehr, deswegen werden sie von den natürlichen Feinden wie Igeln und Fröschen nicht gefressen", erklärt Gärtnermeister Heribert Werner.

Schuld an der nackten Plage sei das Wetter, so Franz Beckers von der Landwirtschaftskammer NRW: "Der milde Winter und der sommerliche Witterungsverlauf mit Feuchtigkeit und Wärme sind die Gründe für die überproportionale Entwicklung." Beziffern lasse sich die Zunahme jedoch nicht: "Die Erhebungen werden im Frühjahr durchgeführt. Im Moment kann kein Mensch Zahlen nennen", so Beckers. tag

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