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Diktatur des rechten Winkels

Helmut Harnisch ist und bleibt standhaft - auch wenn der planungspolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion auf dem roten Wellenpflaster steht, das bei manchem anderen City-Passanten Schwindelgefühle erzeugt.

23.08.2007

Diktatur des rechten Winkels

Boulevard Kampstr / Architekt Fritschi / / neues Strasse Pflaster im Test [Foto: Dieter Menne, RN Datum: 23. Aug. 2007]

"Weg von der Diktatur des rechten Winkels!", fordert Harnisch. Er möchte gern die Welle mit den fünf Rillen, wie sie seit sechs Jahren am Platz von Leeds liegt, über den gesamten künftigen Boulevard Kampstraße verlegt sehen. 1,2 km lang und zwischen 35 und 40 m breit.

Damit lag der SPD-Ratsherr allerdings nicht auf einer Welle mit der Mehrheit des achtköpfigen Gestaltungsbeirats der Stadt, der gestern Mittag gemeinsam mit Stadtdirektor Ullrich Sierau und dem beauftragten Düsseldorfer Architekten Prof. Niklaus Fritschi (Foto) die Musterflächen nördlich der Reinoldikirche in Augenschein nahm, die für eine Pflasterung in Frage kommen.

Fünf zu drei lautete die Abstimmung gegen die rote Welle und für das klassische sandfarbene Rechteckpflaster aus Kunststein, das bereits in der Betenstraße und in der Brauhausstraße liegt, die heute eröffnet wird. Auch die Verwaltung war in ihrer aktuellen Vorlage für die Detail-Gestaltung des Boulevards Kampstraße vorsichtig von der Welle abgerückt.

Der Gestaltungsbeirat hat zwar nur beratende, aber meist wegweisende Funktion - zumal neben Harnisch auch CDU-Ratsmitglied Knud Follert in dem Expertengremium vertreten ist, Letzterer plädiert auch für das sandfarbene Rechteckpflaster.

Noch einen Tag zuvor hatte Stadtplaner Fritschi die Bezirksvertretung Innenstadt West vom fünfrilligen Wellenmuster überzeugen können. Das Muster, glatt oder profiliert, biete ein großes Spektrum an Variationsmöglichkeiten, so Fritschi, und es gebe Dortmund etwas Unverwechselbares. Es wäre "ein edler Teppich für den Boulevard Kampstraße". So wie seit Jahrzehnten auf der berühmten Ramblas, der Fußgängermeile in Barcelona.

Auch in Düsseldorf, berichtete der Architekt, sei man zunächst skeptisch gewesen, inzwischen liege das Muster mit größeren Platten seit zwölf Jahren am Rheinufer in der Altstadt. Fritschi: "Die Leute lieben dieses Pflaster."

Dennoch - den Gestaltungsbeirat überzeuge die Welle mehrheitlich nicht, so der Vorsitzende Jochen Kuhn, ebenfalls Architekt aus der Landeshauptstadt. "Das Markante könnte in der Großflächigkeit verloren gehen", ergänzt Christa Reicher, Professorin für Städtebau an der Uni Dortmund.

Stadtdirektor Sierau will auf das Wohlbefinden der Bürger Rücksicht nehmen. Da gebe es auf der roten Welle "ein Störgefühl" bei Passanten und Gewerbetreibenden: "Ich treffe keinen, der beim Platz von Leeds jubelt." Passantin Christine Botha (64) meint, mit der roten Welle "könnte man Kosten sparen. Ein Glas Sekt weniger". Und man kommt trotzdem ins Wanken. "Gestalten kann man nicht demokratisch", führt Fritschi an, und findet in diesem Punkt Zustimmung beim Gestaltungsbeirat. Doch entscheiden wird letztlich die Politik. ko

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