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"Doc Holiday"? - Medizinischer Dienst kontrolliert

Arbeitsunfähigkeit

DORTMUND Als "Doc Holiday" werden in gewissen Kreisen Ärzte bezeichnet, die beim kleinsten Wehwehchen einen Krankenschein ausstellen. Das ist ärgerlich und teuer für Krankenkassen und Arbeitgeber. Daher wird kontrolliert. Manch Versicherter erlebt da über Nacht eine wundersame Heilung.

von Von Bettina Kiwitt

, 15.04.2010
"Doc Holiday"? - Medizinischer Dienst kontrolliert

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird offenbar von manchen Ärzten vorschnell ausgestellt.

Wenn Arbeitgeber und Krankenkassen den Verdacht haben, jemand „feiert“ krank und die Ärzte machen bei dem Spielchen noch fröhlich mit, kommt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK) zum Zuge. Der hat in Dortmund sogar ein eigenes Servicecenter für die Arbeitsunfähigkeit (AU). „Es passiert eigentlich sehr schnell, dass jemand dorthin beordert wird“, meint Dr. Martin Rieger, Leiter Medizinische Grundsatzangelegenheiten beim MDK. 

Und die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. So wurden im Jahr 2009 im Großraum Dortmund 22.174 Versicherte – keine Langzeitkranken – von ihrer Krankenkasse zur Begutachtung beim MDK vorgeladen. Davon sind lediglich 12.018 oder 54,2 Prozent tatsächlich zu dem Termin erschienen. Die übrigen waren plötzlich gesundet und gingen lieber wieder zur Arbeit als sich auf Herz und Nieren untersuchen zu lassen. Von den 12.018, die begutachtet wurden, empfahlen die Gutachter bei 5090 oder 42,4 Prozent direkt die Beendigung der Arbeitsunfähigkeit.

Bei 4487 wurden weitere gründliche Untersuchungen empfohlen. „Die Relationen sind seit Jahren ziemlich gleich“, weiß Dr. Rieger. Wie viele „gelbe Scheine“ insgesamt im Großraum Dortmund von niedergelassen Ärzten ausgestellt werden, dazu hat er keine Zahlen. Ärzte à la „Doc Holiday“ drohen – theoretisch – Sanktionen. „Grundsätzlich sind die möglich, wenn ein Arzt gegen seine vertragsärztlichen Pflichten verstößt“, so Andreas Daniel, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Das tue er, wenn er jemanden krank schreibe, der es nicht ist. Doch bisher gebe es keinen einzigen Fall, in dem die Kassenärztliche Vereinigung einen Arzt aus diesem Grund zur Räson gerufen habe.

Festzustellen bleibt auch: „Laumalocher“ sind letztlich eine Ausnahmeerscheinung. So war der Krankenstand in den deutschen Betrieben laut Bundesgesundheitsministeriums 2009 so niedrig wie selten zuvor. Die Arbeitnehmer fehlten im Durchschnitt lediglich 3,3 Prozent ihrer Sollarbeitszeit.