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Dr. Jürgen Wentzek über "Doping" am Arbeitsplatz

Exklusiv-Interview

DORTMUND Wie verbreitet ist der Konsum legaler und illegaler Drogen in der Job-Welt im Jahr 2010 in Dortmund? Wir sprachen mit dem Arbeitsmediziner Dr. Jürgen Wentzek, Betriebsarzt in einem großen Dortmunder Unternehmen.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 13.04.2010
Dr. Jürgen Wentzek über "Doping" am Arbeitsplatz

Dr. Jürgen Wentzek, Betriebsarzt in einem großen Dortmunder Unternehmen.

Ich möchte sagen: ja. Es befinden sich mehr Menschen in dieser Übergangsphase, z. B. beim Entlastungs-Trinken. Wenn sie also zur Flasche greifen, um ´runter zu kommen`.

Medikamente wie Amphitamin-Abkömmlinge oder Antidepressiva und auch antriebssteigernde Suchtmittel wie Kokain.

Da finden Betroffene sicher Wege. Zum Beispiel gehen sie zu verschiedenen Ärzten oder sie geben sich in den Praxen als Selbstzahler aus.

Der Grundstein für eine spätere Sucht wird häufig in der späten Jugendphase gelegt. Wer es zum Beispiel bis zum Alter von 25 Jahren nicht schafft, vom Nikotin loszukommen, bleibt häufig daran hängen. Auch für andere Süchte ist das junge Erwachsenen-Alter ausschlaggebend. Für Medikamenten-Missbrauch gilt dagegen eher die ´Rush Hour` des Lebens, also der Höhepunkt des beruflichen Strebens zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Die Zeit geht parallel einher mit einem Höhepunkt psychischer Erkrankungen im Beruf.

Das kann man so nicht sagen. Bei klassischen Sucht-Substanzen steht bei Männern eher der Alkohol im Vordergrund. Aber die Frauen haben deutlich aufgeholt. Klassisch führen sie bei den Medikamenten.

Burnout kennzeichnet einen Endzustand. Es ist das Nicht-mehr-Wahrnehmen körperlicher Warnzeichen. Gefährdet sind Menschen, die über ihren eigenen Anspruch, ihre eigene Begeisterung hinaus arbeiten ohne Anerkennung ihrer Leistung. Der Griff zu Antidepressiva und leistungssteigernden Mitteln ist da nicht weit. Bei Depressionen ist das Gefühl der Fremdbestimmtheit ein wichtiger Punkt. Ganz wichtig: Burnout lässt sich nicht mit einem anderen Extrem beseitigen, also einem Suchtmittel.

Aus meiner Sicht sollte es in jedem Betrieb jemanden geben, der mit dem Thema befasst ist. Dieser Ansprechpartner sollte möglichst integriert sein in die Belegschaft, z. B. dem Betriebsrat angehören. Ansonsten kommt es darauf an, wie gut man den Kollegen kennt. Bei einem engeren Verhältnis kann man den Kollegen auch direkt auf das mögliche Problem ansprechen. Ein Vorgesetzter hat im Grunde genommen nur die Möglichkeit, über die Arbeitsleistung und Fehlzeiten dagegen vorzugehen. Das ist aber schwierig in Zeiten von Arbeitszeit-Modellen. Arbeitsleistung ist heute, im Gegensatz zu früher, wo abends ein Stapel Papier weggeschafft war, weniger erfassbar.