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Ehefrau überlebt Messer-Angriff und verzeiht

10.12.2007

Ehefrau überlebt Messer-Angriff und verzeiht

Die Polizei stellte bei dem 56-jährigen Schulbusfahrer einen Wert von 2,43 Promille im Blut fest.

Der Staatsanwalt war fassungslos, das Gericht zumindest erstaunt: Im Prozess um ein blutiges Familiendrama kam es gestern zu einer seltsamen Versöhnungsszene.

Kurz bevor der Angeklagte (51) wegen einer lebensgefährlichen Messerattacke zu drei Jahren und vier Monaten Haft verteilt wurde, trat seine Ehefrau in den Zeugenstand. Die 43-Jährige, die vom Angeklagten im Mai auf offener Straße niedergestochen wurde und fast gestorben wäre, will nun doch weiter mit ihrem brutalen Ehemann zusammenleben.

Wörtlich sagte die Frau den Richtern: "Es war eine spontane Tat. Er wollte mir nichts antun. Es ist nun mal passiert. Ich liebe ihn, und ich verzeihe ihm." Sie habe auch keine Angst mehr und wolle sogar mit ihm verheiratet bleiben.

Die Worte der 43-Jährigen waren vor allem deshalb befremdlich, weil sie früher immer ganz anders geredet hat. Die Eheleute waren 2001 aus der Türkei gekommen und hatten in Dortmund eine neue Heimat gefunden. Doch das familiäre Glück wurde schnell getrübt. Es gab Streit, der Angeklagte wurde gewalttätig. Mindestens zwei Mal rief die 43-Jährige die Polizei. Zuletzt schlief sie nur noch im Kinderzimmer.

"Sie hatte Angst vor ihrem Mann", hieß es in der Urteilsbegründung des Schwurgerichts. Deshalb habe sie ihn auch verlassen wollen. Erstmals wurde auch offen von Scheidung gesprochen. Doch das wollte der 51-Jährige verhindern.

Als sie schließlich das Haus verließ, verfolgte er sie mit einem Küchenmesser über die Mallinckrodt- und stach in Höhe der Schützenstraße zu. Was das Schwurgericht von der Ich-Verzeih-Dir-Szene hielt? Richter Meyer: "Das hat uns nicht überzeugt." Jörn Hartwich

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