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Ein Leben auf der Spitze

Bravissimo! Fünf Schüler der Ballettschule Hoskins sind ihrem Traum von einem Leben auf der Spitze ein großes Stück näher gerückt. Demnächst beginnen sie eine professionelle Ausbildung in Hamburg, Mannheim, Frankfurt und Wien.

21.08.2007

Sein Ziel? "Ich wäre schon gern einer der besten Tänzer", sagt Dylan, und seine blauen Augen schauen erstaunt, so als verstehe sich das von selbst. "Ich würde gerne in John Neumeiers Compagnie aufgenommen werden und später vielleicht nach New York." Ein Traum-Tänzer ist er nicht. Dylan Hoskins, 14 Jahre alt, hat allen Grund, selbstbewusst zu sein. Morgen ist sein erster Tag in der Ballettschule des Hamburger Balletts, jener Ausbildungsstätte, die der berühmte Choreograf John Neumeier leitet - eine der ersten, wenn nicht die erste Adresse für angehende Tänzer in Deutschland.

Schwarzer Gurt

Und das, obwohl Dylans Tänzerkarriere bislang nicht gerade idealtypisch verlief. Anders als seine Kolleginnen hat Dylan nicht ununterbrochen trainiert. Tatsächlich hat er erst vor einem halben Jahr ernsthaft zu tanzen begonnen. Zwar hatte Dylan schon als Grundschüler Ballettstunden - schließlich leiten seine Eltern Mark und Solange, ehemalige Tänzer am Dortmunder Ballett, die Ballettschule. Doch dann kam die Fußball-Phase, dann Taekwondo. Bis zum schwarzen Gurt trainierte Dylan. Erst vor einem halben Jahr verliebte er sich ins Ballett, das ihm nun alles bedeutet. "Ballett ist wie eine Sucht", sagt er, "ich find's einfach schön."

"Er hat eine Begabung, das wussten wir schon, seitdem er Kind ist", sagt Mark Hoskins, "aber wir haben ihn nie gedrängt. Man kann Tänzer nicht formen, man kann sie nur auf den Weg bringen."

Auf dem Weg zum Profi-Tänzer hat Dylan die vielleicht schwierigste Hürde gepackt: die Aufnahmeprüfung an einer renommierten Ausbildungsstelle. Fast noch mehr als sein tänzerischer Ausdruck interessierten die Auswahl-Kommission seine Maße: Gewicht, Größe, Gelenkigkeit, Form der Füße. Bei Dylan hat alles gepasst. "Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet. Aber ich habe natürlich auch Glück, ein Junge zu sein. Davon gibt es im Ballett einfach weniger", sagt er pragmatisch.

Anfang der Woche hat sich Dylan bei seinen Mitschülern der Europaschule verabschiedet. "Meine Freunde haben sich gefreut, und was einige andere sagen, ist mir egal. Wenigstens mach ich was aus meinem Leben", sagt er.

Wer ist Neumeier?

Morgen wird Dylan zum ersten Mal seine Mitbewohner im Internet treffen, wird sein erstes Training absolvieren und zusammen mit den Tänzern des Hamburger Balletts Mittag essen in der Kantine. "Man kann sein eigenes Kind schlecht unterrichten, daher ist es gut, dass er geht", sagt Mark Hoskins. Vorher gab er Dylan allerdings noch Nachhilfe in Tanzgeschichte. "Ich wusste gar nicht genau, wer John Neumeier ist", grinst der 14-Jährige. pin

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