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Endlich hört mal jemand zu

Gegen Kummer ist eine Nummer gewachsen: 0800 111 0 333. Sie gilt bundesweit. 860 000 Kinder und Jugendliche nutzten sie im vergangenen Jahr. 10 000 Anrufe davon landeten in Dortmund - beim Kinderschutzbund.

03.03.2008

Endlich hört mal jemand zu

<p>Helfer gesucht: Peter J. in der Telefonberatung. Wer möchte mitmachen? Böhm-Heffels</p>

Am anderen Ende der Strippe sitzt Peter J.. Er hat Sonderschulpädagogik studiert, ist verheiratet, Vater von zwei Kindern (11 und 14 Jahre alt) und arbeitet für den Kinderschutzbund. Seit Juni 2006 auch ehrenamtlich als Telefonberater unter der "Nummer gegen Kummer".

Peter J. heißt nicht Peter J., aber dies gehört zum Konzept, das vorgibt: Anonymität hat oberste Priorität. Sie soll Vertrauen schaffen und zwar großes, damit sich Kinder und Jugendliche sehr oft noch ein weiteres Mal trauen, um dann ganz ernsthaft Kontakt aufzunehmen zu dem Unbekannten, der ihnen zuhört, Tipps gibt, Hilfestellung. Fast drei Viertel aller (Erst-)Anrufe sind nämlich Testläufe von jungen Menschen, die erst mal einen Probe-Ballon starten wollen.

So wie das pubertierende Mädchen aus der siebten Klasse. Unsicherheit überspielt sie mit einer Flucht ins verbal Vulgäre, nutzt die Gossensprache konsequent um rüber zu bringen, was sie drückt: "Ey, Alter" und "meine Alten setzen mich voll unter Leistungsdruck" klingt fast noch höflich. Ihr PC sei komplett abgeschmiert, einen neuen gäb's nur, wenn sie in Mathe von der Vier-Minus auf mindestens eine Zwei käme. Was folgte, war eine Kanonade auf diese "blöden...". Peter J. bleibt gelassen und wirbt für mehr Verständnis.

Ihm macht der Job am Telefon auf jeden Fall Spaß. Auch, als sich ein weiteres Mädchen meldet, das wegen ihres Dickseins gehänselt wird. Sie albert herum, es gäbe eine Fast-Food-Diät, duschen würde sie nur mit Cola, sich die Haare waschen auch. Nein, Gemüse und Obst würden ihr nicht schmecken. Dann hört Peter J. im Hintergrund die kichernde Freundin. Ein Anruf aus Langeweile? Scheinbar. Ganz im Gegensatz zum nächsten: Ein junger Mann gibt zu, er sei drogenabhängig. In zwei Tagen würde ein guter Freund von ihm beerdigt. Jetzt will er raus aus der Abhängigkeit: "Ich bin voll im A...".

Peter J. weiß nicht, wo seine Anrufer sitzen. Fast 100 Beratungsstandorte gibt's in Deutschland. Jeder kommt dort durch, wo eine Leitung frei wird. Hilfe gibt's unter Tel. 0800 111 0 333 von montags bis freitags, 15 bis 19 Uhr. Wer sechs Stunden Zeit hat im Monat für drei Telefondienste und sich gut vorbereiten lassen möchte auf seine spannende Aufgabe, ruft an beim Kinderschutzbund: Tel. 84 79 78 0. Ulrike Böhm-Heffels

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