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Erster Sondereinsatz in Scharnhorst-Ost

DORTMUND Es war nur ein Anfang. Nachdem die RN über Ausschreitungen von Jugendlichen in Scharnhorst-Ost berichtet hatten, fuhr die Polizei gestern Nachmittag bis gegen 22 Uhr den ersten von mehreren Sondereinsätzen. Der Auftakt gestern Nachmittag verlief ruhig und unspektakulär. Kein Wunder, glaubt man einem örtlichen Geschäftsmann.

von Von Gaby Kolle

, 08.10.2007
Erster Sondereinsatz in Scharnhorst-Ost

Polizisten kontrollen Jugendliche in Scharnhorst.

Der 28-jährige Ladeninhaber im Einkaufszentrum Scharnhorst (EKS) nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Fußstreife von Polizei und Ordnungsamt gestern gegen 16 Uhr vor seiner Ladentür überzeugt ihn nicht: „Einmal alle fünf Jahre laufen die hier durch. Die machen nur gute Miene und Show.“

Schaufensterscheibe eingeschlagen

Der Geschäftsmann ist stinksauer. Erst vor einer Woche haben sie ihm nachts die Schaufensterscheibe eingeschlagen. „Die eigentlichen Probleme treten hier doch zwischen zwei und vier Uhr morgens auf. Aber dann ist von der Polizei keiner unterwegs“, wettert er, „da wo die sind, ist nicht die Polizei, und wo die Polizei ist, sind die nicht.“

Der erste von mehreren angekündigten Sondereinsätzen, mit denen die Polizei den nächtlich randalierenden jugendlichen Deutschen aus Russland und Polen in der Großsiedlung die Grenzen aufzeigen will, lief gestern von 16 bis 22 Uhr – mit Fußstreifen und Reiterstaffel im EKS, auf der Einkaufsmeile Droote und auf der so genannten Spielachse dahinter. Präsenz zeigen, lautet die Devise, flankiert von Verkehrskontrollen.

Warnung per SMS

Es hat etwas Betuliches, wenn der Bezirksbeamte Hartmut Meyer sich im EKS von einigen Jugendlichen, meist Deutschrussen, den Schülerausweis zeigen lässt. In dem Moment piept‘s in ihrer Jackentasche. Eine SMS. „Die warnen sich gegenseitig mit Handy“, weiß Meyer, „da ist schwer ranzukommen.“ Als nächstes ermahnt die Fußstreife zwei Saufbrüder auf einer Bank. „Wir dulden das nicht mehr, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit“, warnt Polizeibeamter Meyer. „Gar nicht mehr?“, fragt einer der beiden Trinker ungläubig. „Nein, ihr seid kein gutes Vorbild für die Schüler. Ich hab‘s euch jetzt gesagt. Schönen Tag noch“, sagt Meyer und geht. „Also müssen wir jetzt zum Sportplatz saufen gehen,“ meint ein Trinker zum anderen, „komm“.

Fuß bei Raubüberfall zertrümmert

Eine weitere Fußstreife trifft auf Christel Richter (63) und ihre Bekannte direkt im Umfeld der Polizeiwache an der Gleiwitzstraße. Beide beschweren sich über die vielen Säufer im EKS und auf dem Kirchplatz der Schalomgemeinde. Das EKS sei Privatgrundstück, bekommen sie von den Beamten zu hören – und sind empört. 

  Der Mann von Christel Richter, zurzeit Patient im Knappschaftskrankenhaus, habe dort einen jungen Mann getroffen, dem vor ein paar Wochen bei einem Raubüberfall abends an der Stadtbahn-Haltestelle im EKS ein Fuß zertrümmert wurde, erzählt sie und ist wütend: „Alle regen sich auf, und keiner sagt was.“

    

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