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Ex-Theaterchef arbeitet in einem Imbiss

Manfred Gust

DORTMUND Ein geradliniger Lebenslauf sieht anders aus, ein spannender wie der von Manfred Gust. Die RN plauderte mit dem ehemaligen Leiter des Kinder- und Jugendtheaters (KJT), der heute in Hörde in einem winzigen Imbiss arbeitet.

von Von Steffi Tenhaven

, 29.04.2010
Ex-Theaterchef arbeitet in einem Imbiss

Manfred Gust, früherer KJT-Leiter, verkauft in einem Imbiss in Hörde Currywurst.

Ich behaupte mal, er ist der kleinste Imbiss der Welt. Er misst nämlich nur etwa fünf Quadratmeter. Er existiert seit rund 30 Jahren, bietet richtig gute Qualität und ist mein Guckkasten ins Leben.

Die unterschiedlichsten Menschen. Wir haben viele Stammkunden, sogar aus anderen Stadtteilen kommen welche. Eine ältere Dame aus Aplerbeck fährt sogar extra mit dem Taxi, um hier ihre Wurst zu kaufen. Ich hab sogar schon mal daran gedacht, einige spannende Lebensgeschichten der Menschen, die mir am Imbiss begegnen, aufzuschreiben.

Als ich 2001 Insolvenz anmelden musste, stand ich wirtschaftlich bei Null. Der Imbissbetreiber war damals, als ich noch am KJT war, mein Nachbar und hat mich dann irgendwann angesprochen. Ich bin seit fünf Jahren im Imbiss angestellt, arbeite aber nur stundenweise.

Gar nicht. Es gibt zwei große Leidenschaften in meinem Leben. Die eine ist die Kultur. Die andere das Kochen. Ich bin ein Genussmensch, mir schmeckt aber auch eine gute Currywurst. Ich habe die Sauce im Laufe der Jahre sogar verfeinert. Und bei mir bekommt jeder Kunde eine Extrawurst, mal milder, mal schärfer, ganz so wie er sie mag.

Gerne einfache aber gute Dinge, z.B. Steinpilze in Butter und etwas Knoblauch gebraten. Ich bin leidenschaftlicher Pilzsammler und gebe auch kulinarische Pilz-Seminare, die oft in fünfgängigen Menüs gipfeln.

Ja, regelmäßig. Ich habe auch nach wie vor Kontakt zum Kinder- und Jugendtheater und schätze, was Andreas Gruhn dort leistet. Mit dem KJT hat Dortmund etwas ganz wertvolles!

An „Pippi Langstrumpf“ – das war eine wahnsinnig tolle Inszenierung mit einem wunderbaren Ensemble, das alle musikalischen Parts selbst live gespielt hat. Auch das Bühnenbild von Claudius Rudek war großartig.

Ich gehe in vier Jahren in Rente, möchte in Hörde bleiben, mache mir aber mit meinem engsten Freundeskreis Gedanken über das Leben im Alter. Wir wollen vielleicht ein altes Haus in Zentralfrankreich für uns herrichten.