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"Familie als Firma"

Sie arbeitet als Frau mit vielen Frauen für Frauen: Jutta Geißler-Hehlke (60), Chefin der Mitternachtsmission, kümmert sich mit ca. 100 zumeist weiblichen Angestellten, Honorarkräften, Ehrenamtlichen um Prostituierte und Opfer von Menschenhandel. Jörg Heckenkamp sprach mit ihr über die Bedeutung des Internationalen Frauentages am kommenden Samstag.

06.03.2008

"Familie als Firma"

<p>"Man muss wirklich sagen: 'Liebe macht blöd'." Jutta Geißler-Hehlke zur falsch verstandenen Rolle von Frauen. Heckenkamp</p>

Hallo, Frau Geißler-Hehlke, wann sind Sie das erste Mal in Berührung mit dem Frauentag gekommen?

Geißler-Hehlke: Den Gedanken der Solidarität von Frauen lernte ich vor mehr als 30 Jahren durch amerikanische Literatur kennen. Und natürlich durch die Klassiker von Simone de Beauvoir.

Und den Tag als Feiertag?

Geißler-Hehlke: Tatsächlich erst hier in Dortmund, durch den Empfang der Stadt. Dadurch habe ich erfahren, dass es Netzwerke für die Frauen-Solidarität gibt. Frau Wendzinski (frühere Bürgermeisterin, die Red.) hat dieses Thema immer sehr charmant und damenhaft rübergebracht; nicht als Kampf-Emanze.

Heute gibt es Frauenquoten, Förderprogramme, usw. Hat der Internationale Frauentag noch eine Bedeutung?

Geißler-Hehlke : Für mich persönlich war so etwas nie wichtig. Kein Mann will meinen Job haben. Aber es gibt Frauen, die eine anstrengende Doppelrolle von Beruf und Familie ausfüllen müssen.

Für die wäre also so ein Tag wichtig?

Geißler-Hehlke : Frauen sind findig und kreativ im Umgang mit Problemen. Das lernen sie in solchen Lebenssituationen.

Diese Fähigkeiten sollten Arbeitgeber nutzen können, und dafür muss man Frauen unterstützen und fördern, damit sie Beruf und Familie vereinbaren können.

Wie könnte das geschehen?

Geißler-Hehlke: Mütter müssen ihre Kinder in sicherer Obhut wissen. Die Betreuung der Kinder muss qualitätsvoll, vertrauenswürdig und sicher sein.

Und die Väter?

Geißler-Hehlke: Väter sollten sich mehr mit der Familie identifizieren, auch mit deren Problemen.

Sollten mehr Männer Familien-Zeiten nehmen und die Frauen arbeiten gehen?

Geißler-Hehlke : Ach, ich weiß nicht. Oft bedeutet so eine Familienauszeit einen Karriere-Knick für den Mann. Außerdem gilt für mich: Ob ich die gleiche Liebe zu einem Mann empfinden könnte, der zum Hausmännchen mit Pampers-Gesprächen mutiert, wüsste ich nicht.

Ihr Vorschlag also?

Geißler-Hehlke: Man muss die Familie als Firma ansehen und als gleichberechtigte Partner die Arbeit gerecht teilen.

Frau Geißler-Hehlke, Sie haben tagtäglich mit Prostituierten zu tun. Was wünschen Sie sich für ihre Klientel?

Geißler-Hehlke: Dass Frauen nicht aus falsch verstandener "Liebe" zum Partner oder zur Familie, weil es der gerade finanziell schlecht geht, in die Prostitution abgleiten.

Man muss wirklich sagen: Liebe macht blöd. Frauen stellen dafür ihre Ziele und Bedürfnisse zurück. Das sollte nicht sein.

Was machen Sie selbst am Frauentag?

Geißler-Hehlke: Ich treffe mich acht anderen Frauen zu einer Art Stammtisch.

Und reden wohl kaum über Männer?

Geißler-Hehlke: Männer gehören doch zum Leben. Aber wir schimpfen nicht über sie. Eher machen wir Witze über uns selbst.

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