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Flickwerk geht's an Kragen

Mengede Kollektives Aufatmen im Amtshaus Mengede: Mitte August hat der Verwaltungsvorstand grünes Licht für den Erhalt und die Sanierung des über 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes im Ortskern gegeben (wir berichteten).

08.10.2007

Dass es dem Flickwerk nun endlich an den Kragen geht, darüber ist neben vielen anderen auch der stellvertretende Bezirksverwaltungsstellen-Leiter Heiko Schwenzfeier sehr erleichtert. Bereits seine Eltern waren Mitarbeiter im Amtshaus, so dass er das Gebäude beinahe wie seine Westentasche kennt.

Weißer Kunststoff

"Ich bin immer wieder erschrocken über die Sanierungs-Sünden, die vor allem aus den 1970er und 80er Jahren stammen", gesteht er bei dem morgendlichen Rundgang durch das Amtshaus, um den die Stadtteil-Redaktion gebeten hatte. Und nennt auch gleich Beispiele: Die weißen Kunststoff-Fenster etwa oder die Eingangstür - nein, die würden doch wohl überhaupt nicht dem historischen Charakter des Gebäudes gerecht werden.

Los geht die Führung ganz oben, in der ehemaligen Hausmeisterwohnung, wo noch rosafarbene Blümchentapeten an den Wänden hängen. An vielen Stellen hat sich Schimmel breit gemacht, ein generelles Problem im Haus. Mitte der 1980er Jahre ist die Frau des Hausmeisters ausgezogen - seitdem stehen die Räume leer. Und sie werden wohl auch nicht mehr bezogen, denn für einen eigenen Hausmeister hat die Stadt schon lange kein Geld mehr. Dachboden und Wohnung, die beide über eine Holztreppe erreichbar sind, werden nur gesichert und gereinigt, weiß Schwenzfeier.

Auf dem Dachboden, wo über Jahre Tauben gehaust haben, sind auch noch Originalstücke zu finden: Die holzgerahmten Fenster, die irgendwann vom weißen Kunststoff abgelöst wurden. Allerdings lässt ihr Zustand keinen Wiedereinbau zu ...

Nächste Station ist der Verwaltungstrakt, in dem auch Heiko Schwenzfeier sein Büro hat. Er öffnet die Tür zum Kopierraum und zeigt auf die geflickte Decke nach einem Wasserschaden. Im Flur rümpft er die Nase über einen nachträglichen Anstrich - denn der Farbton wurde nicht annähernd getroffen.

Es folgt ein kurzer Abstecher ins Schmuckstück des Amtshauses: In den Sitzungs- bzw. Trausaal, in dem im Schnitt vier Mal pro Woche geheiratet wird. "Viele Paare erkundigen sich nach Ambientehochzeiten. Wenn sie unseren Saal sehen, sind sie sofort begeistert", erzählt der stellvertretende Amtshausleiter stolz.

Die Blicke schweifen nach draußen, auf die von Kletterpflanzen berankten Fassaden. Die herbstliche Rotfärbung sieht schön aus, doch der Bewuchs sorgt für Probleme: "Für Insekten und Feuchtigkeit", so Heiko Schwenzfeier.

Zuletzt geht es in den Bunker. "Luft anhalten" heißt es vor Eintritt ins Aktenlager. In diesem Reich der Papiere, Ordner und Mappen regiert der Schimmel - sein Geruch liegt in der Luft, seine Partikel auf den Unterlagen. In diesem Trakt inklusive Gefängnis, der auch von der Wehrmacht genutzt wurde, ist der Sanierungsstau überall präsent. Kaputte Böden, feuchte Wände, bröckelnder Putz - wohin das Auge reicht.

Feuchtigkeit

Gut tut die frische Luft, als es zum Ende der Führung nach draußen geht. "Hier dringt die Feuchtigkeit von außen ein", zeigt Schwenzfeier auf entsprechende Stellen an der Außenfassade. Und am Erker über der Eingangstür bricht die Sandsteinfassade auf. Ein Gerüst mit Schutzdach über der Treppe soll für Sicherheit sorgen. "Viele sagen ja, dass das Haus nur noch vom Anstrich zusammengehalten wird", schmunzelt Heiko Schwenzfeier.

Beate Dönnewald

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