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Geben ist seliger...

27.12.2007

Geben ist seliger...

Was ist das?

Puterrot im Gesicht, nervös wie ein Börsenmakler und schon im Morgengrauen unterwegs zwischen den Feiertagen. So gegen elf, wenn die halbe Stadt noch ratzt. Ein Nachbar auf der Flucht? Ein Nachbar beim Entrümpeln des Hauses.

Unterm Arm klemmt ein türkis-rosa-gelber Frontalangriff aufs ästhetische Empfinden. Von Tante Waltraud. Das Vasen-Monstrum wandert zurück in den Keller. Tantchens nächster Besuch droht erst im Frühjahr. Im Wohnzimmer schlägt der Gattin gerade eine herzallerliebste Plätzchen-Schale aus den Fingern, verziert mit entzückenden, blassroten Röschen. Wenigstens hemmte der Anblick jener Liebesgabe aus den Händen von Vetter Rolf drei Tage lang den Heißhunger auf Süßes. Ein derart Diät-förderndes Geschenk lässt doch kein Mensch auf dem Boden zerschellen!

In der Zwischenzeit steckt Herr Nachbar auf dem Rücksitz seines Wagens fest. Zwischen tausenden zerfetzter Quadratmeter knallbunten Geschenkpapiers für die Tonne und der Hutablage, die er vorsichtig vom Wackel-Dackel befreit. Den edlen Spender des poussierlichen Tierchens, Patenonkel Rudolf, muss er erst wieder Ostern vom Bahnhof abholen.

Die Entfernung der grässlichen Wandleuchte, ein Geschenk der lieben, nur selten aufkreuzenden Schwiegermutter aus dem Hessischen, gestaltet sich deutlich schwieriger. Die Tütenkreation in penetrantem Orange hat sich mit dem imitierten Barockrahmen für eine düstere Jagdszene verkeilt. Wer zum Teufel hat wohl diesen Ölschinken in Nachbars Wohnzimmer geschleppt?

Jetzt sehe ich Madame aus der Tür eilen samt Dortmund-Schirm. Sie wird doch wohl nicht? Doch, sie will ihn umtauschen fahren. Gewünscht hatte sie sich nämlich einen roten von der Firma, die so heißt, wie man kleine Jungs nennt. Ein Angebot: Tausche unser Geschenk von Cousine Gertrud gegen den himmelblauen Schirm mit der Dortmunder Skyline. Schon trägt Frau Nachbarin ihre Beute weg: den Wein-Dekanter aus Bleikristall, gefühlte zwei Tonnen schwer. Der Hammer.

P.S.: Zehn Minuten später steht sie mit sechs Glühwein-Tassen vom Dortmunder Weihnachtsmarkt vor der Tür. "Gib her. Noch zapfen einige das Gebräu vor der Reinoldikirche. Schließlich: Pfand stinkt nicht."

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