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Gesundheitsamt ist Wärmefresser

Der (negative) Höhepunkt kommt ganz zum Schluss unserer Rundreise mit der Wärmebildkamera: Das Gesundheitsamt ist eine einzige riesige Energieschleuder, gedämmt ist da offensichtlich überhaupt nix. Die Wärmebildkamera zeigt rot, rot, rot.

07.03.2008

Gesundheitsamt ist Wärmefresser

<p>Das Gesundheitsamt in seiner ganzen sanierungsbedürftigen Schönheit, die unter Denkmalschutz steht. Die Stadt möchte das Gebäude gern verkaufen. Kiwitt</p>

"Das geht gar nicht", fällt Oliver Turrek zu dem Gebäudezustand auch nichts mehr ein. Bei der Stadtrundfahrt gab es auch am Stadt- oder Helmholtz-Gymnasium einiges zu mäkeln, aber das Gesundheitsamt toppt alles.

Den Rundgang starten wir am Friedensplatz. Es ist Montagmorgen, 7.30 Uhr, um die 3 Grad minus. Die Stadthaus-Fassade sieht durch die Wärmebildkamera ganz manierlich aus, aber was sind diese roten Ausreißer ziemlich weit oben? "Auf Kipp stehende Fenster", weiß Turrek sofort. Da die Räume noch nicht erleuchtet sind, ist anzunehmen, dass die Fenster das gesamte Wochenende offen gestanden haben. "Da können Sie dämmen wie sie wollen, wenn die Fenster stundenlang auf Kipp stehen, bringt das gar nichts mehr."

Am älteren Teil vom Stadthaus zeichnen sich die Heizkörper durch die Fassade ab, was bei einer gut gedämmten Immobilie nicht passieren würde. "Bei so einem Gebäude ist eine Dämmung schwierig, wenn man den Charakter des Gebäudes beibehalten will", weiß der 37-Jährige. Kann man nicht einfach von innen dämmen? "Das ist sehr schwierig. Zwischen dem Dämmmaterial und der Wand bildet sich dann häufig Schimmel."

Oliver Turrek schwenkt seine Kamera am alten Stadthaus etwas weiter nach links, Richtung Betenstraße. "Das ist ja unglaublich da oben. Das ist ein voll beheizter Raum ganz ohne Dämmung", weist er auf eine kleine Dachfläche, die knallrot leuchtet. Dabei ist das Gebäude gerade saniert worden. Hat da jemand geschlampt?

Das Rathaus ist nicht ganz so gut gedämmt wie das Stadthaus, stellt der Experte fest. "Die Scheiben sind ziemlich erwärmt, das sollte bei einer guten Dämmung eigentlich nicht sein."

Das Gebäude, in dem die Dortmund-Agentur residiert, stammt aus dem Jahr 1879, renoviert wurde es 1986. "So alte Bauten sind gar nicht so schlecht, die haben dicke Wände. Viel schlimmer sind die Sünden aus den 60er und 70er Jahren", meint der Thermograph. Das Problem ist auch hier wieder der Mensch, denn auch bei der Dortmund-Agentur steht das ein oder andere Fenster spaltbreit offen.

Am Stadt- und Helmholtz-Gymnasium entfleucht die teure Energie ebenfalls durch geöffnete Fenster. Turrek: "Für Schulen wäre oftmals eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung genau das Richtige." Am Stadtgymnasium hat sich eine Außenfläche zum Innenhof hin auf 9,5 Grad erwärmt. "Das ist Waschbeton, ein super Wärmeleiter", weiß der Kenner. "Fassadentemperaturen über 4 bis 5°C sind bei diesen Außentemperaturen reine Energieverschwendung, wenn man betrachtet, dass moderne, gedämmte Fassaden jetzt maximal 0 bis 1 °C aufweisen würden." Denn eine gut gedämmte Fassade habe als Oberflächentemperatur die zurzeit herrschende Außentemperatur oder darunter.

Am Helmholtz-Gymnasium stehen viele Fenster auf Kipp, "vielleicht weil gerade Pause ist", vermutet Turrek. Ein vernünftiger Luftaustausch sei bei Kipp-Fenstern aber nicht möglich. "Besser ist es, die Fenster ganz zu öffnen und kurz durchzulüften."

DEW vorbildlich

Bei DEW ist eigentlich alles vorbildlich, die Fassade ist gut gedämmt, die Fenster sind brav geschlossen. Der Eingangsbereich mit der Drehtür ist ein Problem, "da geht viel Energie verloren". Besser wäre eine Luftschleuse, aber dafür benötige man sehr viel Platz. Allerdings versteht Turrek nicht, warum die DEW im Zuge der jüngsten Sanierung nicht auch die energetisch schlechte Schaufensterverglasung im Seitenbereich vom Kundencenter 1989 ausgetauscht hat.

Resümee: Es gibt noch viel zu sanieren an den öffentlichen Gebäuden, insbesondere an den Schulen und dem Gesundheitsamt. Bei anderen wie Rathaus oder Stadthaus ist schon viel passiert. Doch die schlimmste Sünde sind die auf Kipp stehenden Fenster. Bettina Kiwitt

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