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Grundschüler gehen gegen Eltern auf die Barrikaden

Brechtener Schüler schreiben Brandbrief an Eltern

Vor der Grundschule Brechten parken regelmäßig Eltern – trotz des Verbots. Die Schüler haben die Nase voll und einen Brief geschrieben, in dem sie die falschparkenden Eltern auf deren Vergehen hinweisen.

Dortmund

, 14.03.2018
Grundschüler gehen gegen Eltern auf die Barrikaden

Mit selbstgestalteten Plakaten wollen der achtjährige Eragon, seine gleichaltrige Klassenkameradin Zümra und ihre Lehrerin Jana Poszywala gegen das verbotswidrige Parken der Eltern direkt vor der Schule demonstrieren. © Michael Schuh

Vernunft ist nicht zwangsläufig eine Frage des Alters. Das zeigt sich gerade an der Grundschule Brechten. Obwohl die Eltern seit Jahren auf das absolute Halteverbot im Wendehammer vor der Schule hingewiesen werden, parken dort mit ebenso schöner Regelmäßigkeit Mütter und Väter, um ihre Kinder direkt an der Schule aussteigen zu lassen oder wieder abzuholen. Die Grundschüler selbst gehen dieses Verhalten nun auf die Barrikaden: Mit einem handgeschriebenen Appell an alle Eltern sowie handgemalten Transparenten demonstriert das Schülerparlament gegen das gefährliche Verhalten der Erwachsenen. Und schließt das Schreiben auf unmissverständliche Art und Weise: „Mit ärgerlichen Grüßen.“

Halteverbotsschilder sind nicht zu übersehen

Es ist 12.30 Uhr, im Wendehammer vor der Grundschule stehen vier Autos, in denen Eltern auf ihre Kinder warten – den sichtbar angebrachten Halteverbotschildern zum Trotz. „Das Problem gibt es seit vielen, vielen Jahren“, sagt Schulleiterin Klaudia Godglück, „obwohl wir immer wieder auf das Verbot hinweisen, unter anderem in Briefen an die Eltern.“ Denn bei dem Verbot handelt es sich keineswegs um eine reine Schikane. „Da unsere Grundschule zwei Standorte hat, müssen die Lehrer in den Pausen von hier mit dem Auto zur Zweigstelle Am Birkenbaum fahren. Und dabei ist es schon vorgekommen, dass die Lehrer aufgrund der parkenden Fahrzeuge der Eltern schlichtweg nicht durchkamen.“

Der Schulbus steckt fest

Doch damit nicht genug. Auch der Schulbus, für den im Wendehammer eigens eine Haltestelle eingerichtet wurde, werde von den Eltern-Pkw behindert: „Es kommt vor, dass er nicht vor- und nicht zurückfahren kann.“ Deshalb würden jeweils zu Schuljahresbeginn einige Viertklässler mit Warnwesten und Plakaten gegen das Verhalten demonstrieren. „Doch das interessiert einige Eltern offenbar nicht“, sagt Godglück. Die Situation könne sich sogar noch verschärfen, wenn im Sommer mobile Raumsysteme als zusätzliche Klassenzimmer auf dem Lehrerparkplatz aufgestellt würden: „Deshalb ist dies jetzt der letzte Notruf.“

Brief in schönster Handschrift geschrieben

Zümra ist Klassensprecherin der 3c und Mitglied des Schülerparlaments. „Wenn da immer geparkt wird, ist das eine Gefahr für die Kinder“, sagt die Achtjährige und hat sogleich ein Beispiel parat: „Da ist sogar schon mal ein Auto einem Kind über den Fuß gefahren.“ Und auch ihr Klassenkamerad Eragon hat bereits negative Erfahrungen gemacht: „Mein Schulbus darf da parken. Aber es ist schon mal passiert, dass er gar nicht mehr rauskam.“

Grundschüler gehen gegen Eltern auf die Barrikaden

Im Wendehammer wird regelmäßig geparkt. © Foto: Michael Schuh

Deshalb hat das Schülerparlament der Park-Problematik in seiner letzten Sitzung oberste Priorität eingeräumt. „Die Kinder haben auf eigene Initiative hin zunächst Argumente gesammelt“, erzählt Lehrerin Jana Poszywala, die das weitgehend selbstständige Parlament betreut. Als der Inhalt des Briefes feststand, schrieb ein Drittklässler diesen in seiner schönsten Handschrift ab. Der Inhalt indes ist weniger erfreulich: Von „Eltern, die sich nicht an die Regeln halten“ ist dort ebenso zu lesen wie von „einer Gefahr für die Schulkinder“. Jedes Kind erhielt eine Kopie des Briefes, um sie den Eltern daheim zu überreichen.

Inwieweit Mütter und Väter bereit sind, Kompromisse einzugehen und ein paar Meter weiter zu parken, wird sich zeigen. Dass sich der Nachwuchs nicht zu schade ist, ein Stück zu Fuß zurückzulegen, geht aus dem Brief des Schülerparlamentes auf jeden Fall eindeutig hervor: „Kein Kind muss unbedingt direkt vor dem Schultor rausgelassen oder abgeholt werden. Wir können gerne auch ein paar Schritte laufen, bevor die Schule beginnt.“

„Es ist wichtig, dass die Kinder schon in der Grundschule demokratische Verfahren kennenlernen“, sagt Lehrerin Jana Poszywala über das Schülerparlament. Das Gremium besteht aus den jeweiligen beiden Sprechern der unterschiedlichen Klassen.
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