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"Ich lasse mich nicht unterkriegen"

22.10.2007

Wer behindert ist, ist nicht dumm. Trotzdem sind für gehandicapte Jugendliche die Chancen auf eine betriebliche Ausbildung gering. Um Vorurteile abzubauen, begleitet unsere Zeitung 30 junge Menschen mit Behinderung während ihrer zweijährigen Lehrzeit. Das Berufsförderungswerk macht sie fit für den ersten Arbeitsmarkt. Heute: René Koslowski (23).

Das Angebot war verlockend: eine Ausbildung zum Verkäufer. "Da überlegst du nicht lange, da greifst du sofort zu." René Koslowski konnte sein Glück kaum fassen: eine Lehrstelle. Doch schnell fühlte sich der junge Mann als billige Hilfskraft missbraucht. "Mein Chef kümmerte sich kaum um mich. Ich fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen." Ausgenutzt statt ausgebildet.

Sein Gefühl sollte René Koslowski nicht belügen. Nach nur einem Jahr war Feierabend. Der Supermarkt machte dicht. René Koslowski stand auf der Straße. "Ich war am Boden zerstört." Doch es kam noch schlimmer. Sein Chef hatte ihn nicht als Auszubildenden angemeldet. Damit war das eine Jahr in dem Supermarkt ein verlorenes Jahr für ihn.

Es war nicht die erste schlechte Erfahrung, die René Koslowski in seinem noch jungen Leben gemacht hat. Schon einmal wähnte er sich am Ziel seiner Wünsche. Nach der Schule arbeitete er in einem Lebensmittelladen, Der Inhaber wollte ihn auch ausbilden. Doch dazu kam es nicht mehr. Das Geschäft ging pleite. Für René Koslowski aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. "Davon lasse ich mich nicht unterkriegen", schwor er sich - und hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.

Als ihm das Arbeitsamt schließlich eine "dritte Chance" in seinem Traumberuf gab, brauchte René Koslowski nicht lange zu überlegen. Eineinhalb Wochen ist das nun her. Seitdem arbeitet er bei Rewe Weller in Wellinghofen. Beraten, kassieren, Ware einräumen. Die Arbeit fällt René Koslowski nicht schwer, profitiert er doch von seiner Erfahrung.

Rückhalt gibt ihm seine "kleine Familie", Freundin Sara Weihs und sein Sohn Jeremy Pascal. "Ich bin jetzt nicht mehr nur für mich allein verantwortlich." Vor allem für Jeremy Pascal möchte er Vorbild sein. "Mein Sohn soll später einmal stolz auf mich sein."

Bessere Chancen

René Koslowski ist froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihn die Lehre abschließen lässt. "Mein Chef, die Kollegen und das Arbeitsumfeld sind wirklich gut." Nach den zwei Jahren Ausbildung plant René Koslowski, sich weiter zu qualifizieren: "Ich möchte gerne Einzelhandelskaufmann werden. Damit hat man einfach bessere Chancen im Berufsleben." Die Ausbildung zum Verkäufer sei für ihn der Startschuss. ar

Fragen zum Projekt beantwortet Leiter Detlef Klos unter Tel. 7 10 92 55 oder per E-Mail dkl@bfw-dortmund.de

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