Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

In die Röhre geguckt

Thomas Nierth bringt als Tunneltester Mängel ans Licht

17.05.2007

Dann anders: Er guckt regelmäßig in die Röhre? Auch nicht. Also Klartext: Der 45jährige Diplom-Ingenieur ist Tunneltester. Als Mitarbeiter der Essener Firma DMT, die unter anderem auch auf technische Gebäudesicherheit spezialisiert ist, ist der Dortmunder seit 2004 zusammen mit fünf Kollegen in 14 Ländern unterwegs. Sie inspizierten in den letzten drei Jahren 152 Tunnel. Auftraggeber sind seit 1999 europäische Automobilclubs, die das seit 2005 von der EU mitfinanzierte Programm EuroTAP für mehr Tunnelsicherheit unter der Federführung des ADAC verantworten. Die Clubs reagieren damit auf die Brandkatastrophen im Montblanc- und Gotthard-Tunnel, bei denen teils dramatische Sicherheitsmängel auf den unterirdischen Verkehrswegen ans Licht kamen. Mit Warnweste und Checkliste (rund 250 Prüfpunkte) ausgerüstet hat der Bergbau-Ingenieur und staatlich anerkannte Sachverständige Thomas Nierth zuletzt von Dezember bis Mitte Februar elf Tunnel in vier Ländern unter die Lupe genommen: Tunnelsystem, Beleuchtung und Energieversorgung, Verkehr und Verkehrsüberwachung, Kommunikation (u.a. Verkehrsfunk und Notruf), Flucht- und Rettungswege, Brandschutz, Lüftung und Notfallmanagement sind die Kriterien für Sicherheit. «Das ist schon ein bizarrer Arbeitsplatz», meint Nierth zur Prüfung bei laufendem Verkehr, «man muss immer auch ein Auge nach hinten haben.» Dann der Lärm und die Sogwirkung der LKW... Und ist ein Fahrstreifen gesperrt, gibt es dennoch immer wieder Menschen, die hineinfahren. Da freut man sich doch, wenn man das Licht am Ende des Tunnels sieht, oder? Wieder winkt Thomas Nierth ab: «Das sollte man nicht zu früh erkennen.» Aus Sicherheitsgründen. Tunneltester haben es lieber, wenn sich kurz vor dem Licht noch eine leichte Kurve krümmt. «Die Fahrer tendieren sonst zum Mittelstreifen, statt sich rechts zu halten.» Jeder fünfte Tunnel fällt bei der Prüfung durch. Der B 236-Tunnel in Wambel wurde letztes Jahr untersucht. Nicht von Nierth, von einem Kollegen. Die beiden 1,42 Kilometer langen Röhren erhielten die Tunnel-Note «ausreichend», was nach Schulzensuren einem Befriedigend gleich kommt. Seitdem wurden die Notbeleuchtung und die Fluchtwegkennzeichnung verbessert sowie u.a. bei Brandnotleuchtern, Lüftern, Kommunikationsanlagen, Handfeuerlöschern, Türen und Schließzylindern nachgerüstet. Weiteres folgt. Trotzdem versucht Thomas Nierth, aus Husen kommend, die Fahrt durch den Wambel-Tunnel zu vermeiden. Nicht weil er Sicherheitsbedenken hätte. «Nein, wegen des Staus auf der B 1.» Gaby Kolle

Lesen Sie jetzt