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Interview zur Situation im Knast

von Von Andreas Wegener

, 22.08.2007
Interview zur Situation im Knast

<p>Engagiert sich für Gefangene: Regina Merkel. Bandermann</p>

Wie ist die Situation der Gefangenen im Lübecker Hof? Merkel: Es ist für mich etwas schwierig, mich zu den ganz konkreten, alltäglichen Schwierigkeiten der Gefangenen zu äußern, da ich selber die Erfahrung der Haft nicht gemacht habe.

Allerdings führen Sie viele Gespräche mit den Inhaftierten. Was für Klagen tauchen denn immer wieder auf? Merkel: Über das Essen beschweren sich fast alle. Ich finde das verständlich, denn Essen gehört zu den wenigen "Befriedigungen", die eine eingesperrte Person haben kann, und Großküchen können nicht den Geschmack aller zufrieden stellen. Ich vermute, dass die Mittel zur Beschaffung von Essen sehr knapp bemessen sind. Die Unsitte, Lebensmittel in den Hof zu werfen, zeugt vom Frust der Gefangenen.

Viele Probleme scheinen auch baulich bedingt zu sein. Merkel: Die JVA Dortmund ist ein Altbau, und die Zellen sind dementsprechend unmodern, auch die Gänge wirken düster und muffig. Durch die permanente Überbelegung ist es nicht möglich, jedem Gefangenen eine Einzelzelle zuzuweisen. Das ist eine sehr belastende Situation.

Die Gefangenen beklagen auch die mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten... Merkel: Dass Gefangene oft sehr lange warten müssen, wenn sie die Gegensprechanlage betätigen, habe ich schon von vielen Betroffenen gehört. Viele sind tatsächlich meist 23 Stunden eingesperrt.

Arbeits- und Sportmöglichkeiten sind eingeschränkt... Merkel: Stimmt. Ich finde die Arbeitslosigkeit in der JVA problematisch und wundere mich, dass das niemand angesprochen hat. Sicher gibt es einzelne Gefangene, die nicht arbeiten wollen, aber meiner Erfahrung nach sind sie die Ausnahme. Die Alternative ist 23 Stunden Einschluss und nur ein geringes Taschengeld für den Einkauf. Von verschiedenen Gefangenen habe ich gehört, dass das Freizeitangebot nicht ausreichend ist, was die Situation von arbeitslosen Gefangenen sicher noch einmal verschärft.

Was müsste aus Ihrer Sicht dringend geändert werden? Merkel: Die Zahl der Inhaftierten müsste verringert werden. Wer suchtkrank ist oder nur Geldstrafen absitzt, gehört eigentlich nicht ins Gefängnis. Wünschenswert wären mehr Sozialarbeiter, die sich um kriminelle Jugendliche kümmern.

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