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Jugendliche feiern ohne Grenzen

Polizei-Kontrollen

DORTMUND Saufen, bis die Schwarte kracht. Nicht mehr wegschauen konnten Polizei und Stadt beim Vollpumpen Jugendlicher mit Alkohol jedweder Form im öffentlichen Raum. Die Bilanz nach einem Jahr: 22.865 junge Säufer fielen ins Raster der Kontrollen.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 28.04.2010
Jugendliche feiern ohne Grenzen

Die Komasäufer werden längst nicht mehr nur an typischen Stellen, wie der Brückstraße oder dem Westpark aufgegriffen.

Zwischen Februar 2009 und Januar 2010 kontrollierten die Behörden in Dortmund und der Nachbarstadt Lünen 9243 Treffpunkte im Freien und 6062 diverse Lokalitäten, darunter allein 3349 Kioske. Rechnet die Polizeibehörde ihren Personalaufwand mit fast 25.000 geleisteten Stunden um, entspräche dies der Arbeitsleistung von 18 Mitarbeitern, die ein ganzes Jahr lang nur mit Jugendschutzkontrollen beschäftigt wären.

Es hat sich gelohnt. Im April fielen 641 betrunkene Jugendliche im öffentlichen Raum auf, im Dezember waren es noch 109. Dies sei nicht nur dem Wetter geschuldet gewesen, betont der Leitende Polizeidirektor Dieter Keil. Auch der Widerstand gegen die Uniformierten nahm ab. Um über 30 %. Die Polizei sieht sich nicht als gesellschaftlicher Weltenverbesserer, weiß, dass nun möglicherweise mehr in den Partykellern der Eltern geschluckt wird. Sie bleibt aber in Wach-Stellung, vor allem bei Großereignissen: Allein am kommenden Wochenende seien 66 Veranstaltungen im Polizeibereich 1 (Innenstadt) angemeldet. Bei 33 sei polizeiliche Begleitung erforderlich, kündigt Polizeipräsident Hans Schulze an. Zerknirscht ergänzt er seine Auflistung durch die jüngst angemeldete Rechten-Demo am Freitagabend. 50 bis 70 Neonazis wollen vom Hauptbahnhof über die Rheinische Straße nach Dorstfeld ziehen.

„Die Exzesse werden größer, die Einlieferungen ins Krankenhaus haben zugenommen“, so Schulze. Er spricht damit längst nicht nur die Zustände an Sauf-Schwerpunkten wie Stadtgarten, Westpark, Brückstraße, Reinoldikirche oder entlang des Hellwegs zwischen Brackel und Wambel sowie der Flughafenstraße in Scharnhorst an. Bei Feten, Abi-Feiern, 18. Geburtstagen würde soviel Alkohol geschluckt, da hätte man früher einen ganzen Monat von gelebt, weiß der Polizeipräsident. Ausschweifungen nach Partys im ansonsten „unverdächtigen“ Raum, wie dem Westfalenpark, kennen ebenfalls kaum Grenzen. „Am 16. August, also nach dem Lichterfest, trafen die Kollegen im Park einen 15-Jährigen an mit 2,08 Promille.“ Dieter Keil könnte die Liste der Promille-Rekorde endlos fortsetzen.