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Kaltes Wasser, schlechtes Essen

DORTMUND Nach der Inhaftierung des 17-jährigen Marcos war es immer wieder zu hören: Im Vergleich zu der Türkei seien deutsche Gefängnisse reine Luxusherbergen. Davon kann im Lübecker Hof keine Rede sein...

22.08.2007

In einem aus dem Knast geschmuggelten Brief an unsere Zeitung beschwert sich ein Insasse über Zustände: "Hier ist es wie im alten Rom!"

So müssten sich vier Häftlinge eine 18 Quadratmeter große Zelle teilen, das WC stehe mitten im Raum, an dem 20 Zentimeter breiten Waschbecken gebe es nur kaltes Wasser. "Dort müssen sich vier Personen waschen, ihre Zähne putzen, rasieren und das Geschirr abwaschen", schreibt der Häftling. Trotz sommerlicher Hitze könnten sich die Gefangenen nur zweimal in der Woche duschen.

Bei Regenwetter haben die Straftäter (die zum Teil noch nicht verurteilt sind und sich in Untersuchungshaft befinden) ein anderes Problem: Wenn sie einmal am Tag für eine Stunde ihre Zelle verlassen und nach draußen dürfen, werden sie "nass bis auf die Knochen". Im engen Innenhof gebe es nur für die Wachen Unterstellmöglichkeiten.

Um 5.30 Uhr müssen alle aufstehen, um 12 Uhr gibt es Mittag, bereits um 16 Uhr Abendessen. Über die schlechte Qualität des Essens könne man Bücher schreiben, heißt es in dem Brief ("Suppe schäumt wie Waschpulver!"). Justizmitarbeiter seien selten zu sprechen, fällten willkürliche Entscheidungen.

Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter sagte im Juni bei einem Besucher im Lübecker Hof: "Ich war beeindruckt von der Enge, die hier herrscht. Baulich ist das eine schwierige Anstalt ..." Leiterin Reina Blikslager widerspricht einigen Vorwürfen: Die Waschbecken seien viel breiter, in den Zellen für vier Männer wären Toilette und Waschbecken räumlich abgetrennt, anders als in den 48 Zweier-Zellen: Derzeit würden den Gefangenen dort "Schamwände" zur Verfügung gestellt, Umbauten seien aber schon geplant. Durch Baumaßnahmen, die in diesem Monat beginnen, sollen auch die Duschmöglichkeiten ausgeweitet werden.

"Die Angaben zur Qualität des Essens weise ich entschieden zurück, täglich nehmen der Amtsarzt und Bedienstete Kostproben - Beanstandungen ergaben sich bisher nicht." Willkür gebe es nicht, über Sprechanlagen seien die Mitarbeiter rund um die Uhr zu erreichen.

 

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