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"Kein Amt kann Schicksal verhindern"

Hätte das Jugendamt verhindern können, dass die sieben- und neunjährigen Mädchen allein neben dem sterbenden Vater saßen?

05.03.2008

"Kein Amt kann Schicksal verhindern"

In seiner chronologischen Aufarbeitung des Mengeder Falls kam Jugendamtsleiter Ulrich Bösebeck gestern im Kinder- und Jugendausschuss zu dem Fazit: "Für die Mitarbeiter war nicht absehbar, wie ernst die Krankheit war. Nach den vorherigen Kontakten zum Vater bestand kein Zweifel, dass er sich sofort melden würde, falls nötig. Ein Einschreiten gegen ihn war nicht gegeben."

Zuspruch folgte von Wolfram Frebel (Grüne, Foto): "Einem Vater die Kinder zu entziehen, nur weil das Sterben beginnt, ginge gegen die Menschenwürde. Das ist Schicksal. Daran kann auch kein Jugendamt etwas ändern. Auch nicht mit 10 000 Mitarbeitern." Und Dr. Annette Düsterhaus, die Chefin des Gesundheitsamtes, ergänzte, sie habe mit einer Ärztin gesprochen, die den Vater gekannt hatte. Selbst diese Ärztin sei vom plötzlichen Tod des Mannes überrascht gewesen.

Viel war die Rede von "unterschiedlicher Einschätzung", ob verschmutzte Kleidung, wie mehrfach von der Schule der beiden Mädchen beobachtet und dem Jugendamt gemeldet, bereits Kindeswohlgefährdung ist oder nicht? Und die Tatsache, dass offenbar das ältere Mädchen schwere Einkaufstüten schleppen musste, obwohl sich der deutlich ältere Halbbruder der beiden Geschwister um die beiden kümmerte (laut Jugendamt)?

Thomas Oppermann vom Jugendverband SJD Die Falken: "Nur als allerletzter Schritt ist die Inobhutnahme möglich, die übrigens nur mit einem gerichtlichen Beschluss durchsetzbar ist." Er zielte in Richtung CDU: "Sie reden, Sie wollen Mängel aufdecken, aber was hätten Sie denn anders gemacht?" Schützenhilfe kam von Joachim Fischer (SPD): "Aus unterschiedlicher Einschätzung einen Kriminalfall zu machen, halte ich für unseriös."

Zuvor hatte sich Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp an Rosemarie Liedschulte (CDU) gewandt, keine Vorverurteilung vorzunehmen. Man sei dabei, die Gesprächsabläufe zwischen Schule und Jugendhilfe genau zu analysieren. Dass es noch viel zu verbessern gibt bei den Jugendhilfediensten, daran ließ auch Ausschussvorsitzender Friedhelm Sohn keinen Zweifel. bö

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