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Keine Käseglocke

Weitere Einzelhandelsflächen sollen auf dem Thier-Gelände entstehen. RN-Redakteurin Bettina Kiwitt sprach darüber mit Dr. Wilm Schulte (Foto), Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Mitte.

22.08.2007

Keine Käseglocke

Qualitaetsroute: Dr. Wilm Schulte 08.02.2007 Foto: Andreas Wegener/RN

Der Projektentwickler ECE hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, wie viel Einzelhandelsfläche auf dem Thier-Gelände mit der City verträglich ist. Was ist von einem Gutachten zu halten, das der Projektentwickler, der eigene Interessen im Auge hat, in Auftrag gibt?

Schulte: Die Auswahl des Gutachters ist in Abstimmung mit dem Konsultationskreis Einzelhandel erfolgt. Auftraggeber ist im Übrigen nicht die ECE, sondern die Stadt Dortmund. Alle in Rede stehenden Gutachter bieten von ihrer fachlichen Qualifikation die Gewähr dafür, dass unabhängig vom Auftraggeber eine sachbezogene Beurteilung von verträglicher Größenordnung für die City, aber auch im regionalen Zusammenhang erfolgt.

Zwischen 20 000 und 30 000 qm Einzelhandelsfläche stehen im Raum. Sind das Größenordnungen, die aus Ihrer Sicht vertretbar sind?

Schulte: Über Größenordnung sollte man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht spekulieren. Es kommt vor allem darauf an, was an anderen Standorten, insbesondere am Bahnhof an zusätzlichen Flächen letztlich in Rede steht. Klar ist, dass sich die Rahmenbedingungen im Einzelhandel deutlich negativ verändert haben. Insoweit sollte man, was weitere Handelsflächen in der Innenstadt betrifft, mit Vorsicht agieren. Wir haben immer wieder gesagt, dass man die 36 000 qm Verkaufsfläche am Bahnhof nicht eins zu eins neu verteilen kann.

Brauchen wir überhaupt mehr Handelsfläche? Bluten dann die Nebenlagen nicht noch mehr aus?

Schulte: Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Festzustellen ist aber, dass sich die Innenstadt über die letzten Jahre auch ohne neue Handelsflächen nachweisbar qualitativ positiv entwickelt hat. Zusätzliche Fläche ist immer dann von Nutzen, wenn sie Qualitätsverbesserungen im Angebot mit sich bringt. Die Nebenlagen bluten dann nicht aus, wenn sie sich positionieren und ein entsprechend attraktives Angebot bieten.

Für den Bahnhof waren 36 000 qm Einzelhandel ins Auge gefasst, die ebenfalls laut eines Gutachtens cityverträglich sein sollten. Auch der Einzelhandelsverband arrangierte sich mit dieser Größenordnung. Im Nachhinein gab es daran aus dem Handel viel Kritik - wenn auch meist hinter vorgehaltener Hand. Ist das beim Thier-Gelände ebenfalls zu erwarten?

Schulte: Jede Flächenexpansion führt beim ansässigen Handel zu kritischer Betrachtung. Jeder zusätzliche qm ist eben für einzelne Anbieter zusätzliche Konkurrenz. Der Verband ist allerdings nicht so positioniert, dass er die Käseglocke über den Bestand stülpt und sagt: "Nichts geht mehr!"

Wo sehen Sie die Aufgabe des Verbandes?

Schulte: Wir wollen Entwicklungen einfordern, die stadt- und regionalverträglich sind. Natürlich wird die Auseinandersetzung um die "richtige" Größenordnung auf dem Thier-Gelände wieder hohe Wellen schlagen. Wir stellen uns dieser Diskussion - wenn uns das Gutachten vorliegt.

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