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Keine Strafe für Flaschenwurf

23.10.2007

Es war eine grausame und brutale Tat. Im vergangenen Februar wurde einem Busfahrer der Stadtwerke eine volle Bierflasche ins Gesicht geworfen. Der Werfer? Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft kam als Täter eigentlich nur ein Mann in Frage. Doch das Amtsgericht hatte trotzdem Zweifel.

Richter Hans-Ulrich Esken hat den Hauptverdächtigen gestern nur wegen seines unflätigen Benehmens (Beleidigungen, Spucken) verurteilt. Die Strafe: 800 Euro Geldstrafe. Sein mitangeklagter Freund erhielt denselben Schuldspruch, muss aber 1200 Euro zahlen, weil er mehr verdient.

Der Bierflaschen-Wurf vom 18. Februar bleibt dagegen ungesühnt. Esken: "Ich glaube vielleicht auch, dass es der Hauptverdächtige war, aber der Glaube allein reicht nicht aus." Die Frage sei vielmehr, ob dem jungen Mann aus Brackel die Tat wirklich nachgewiesen werden könne. Und genau das sei hier nicht der Fall.

Die Staatsanwältin hatte da noch ganz andere Schlussfolgerungen gezogen. Da niemand sonst am Tatort war, so erklärte sie in ihrem Plädoyer, könne nach menschlichem Ermessen auch niemand anderes als Werfer in Frage kommen. Und da der Hauptverdächtige in der Vergangenheit schon zweimal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden ist, forderte sie zehn Monate Gefängnis.

Das Hauptproblem: Es gab damals keine Augenzeugen. Und selbst auf die Überwachungskamera des Nachtbusses war kein Verlass. Die entscheidende Szene ist nicht gefilmt worden.

Der Busfahrer hatte trotzdem keine Zweifel: Nach dem Wurf hätten schließlich nur der Hauptangeklagte und sein mitangeklagter Freund vor ihm gestanden. Von einer dritten Person sei weit und breit nichts zu sehen gewesen.

Der 56-Jährige leidet noch immer unter der brutalen Tat und hat bis heute nicht wieder gearbeitet. Nach dem Urteil sagte das Opfer enttäuscht: "Ich bin nicht zufrieden." Es ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft Berufung einlegt. jh

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