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Kirchenaustritte von Katholiken steigen deutlich

Missbrauchs-Debatte

DORTMUND Im ersten Quartal dieses Jahres kehrten 312 Katholiken ihrer Kirche den Rücken. 75 Menschen und damit rund 30 Prozent mehr als im 4. Quartal 2009. Folge der Missbrauchs-Fälle?

von Von Jörg Heckenkamp

, 08.04.2010
Kirchenaustritte von Katholiken steigen deutlich

Georg Friedrich Händel zu Gast in der Reinoldikirche.

„Es ist erstaunlich ruhig. Ich spüre nicht die große Entrüstung“, ist Pfarrer Michael Ortwald, Vize-Stadtdechant, selbst erstaunt. Eine massive Austrittswelle sieht er nicht, aber „es tut mir Leid um jeden einzelnen, der austritt“. Wenn auch die große, spürbare Empörung ausbleibt – es gärt offenbar im Hintergrund. So kann sich auch Ortwald vorstellen, dass manch kritischer Christ die aktuelle Entwicklung als Tröpfchen spürt, das sein persönliches Frustrations-Fass zum Überlaufen bringt.

Die evangelische Kirche kann möglicherweise von diesem Frust profitieren. Verließen erfahrungsgemäß in den vergangenen Jahren rund zwei bis drei Mal mehr Gläubige die ev. Kirche als dass neue eintraten, hat sich diese Quote im Februar fast auf eins zu eins angenähert. Uwe Bitzel von den Vereinigten ev. Kirchenkreisen weiß von „einzelnen Fällen, bei denen Menschen mit Hinweis auf die Missbrauchs-Fälle von der katholischen in die evangelische Kirche wechseln“. Viele Gläubige hatten sich von der päpstlichen Osterbotschaft Hinweise auf die Missbrauchs-Fälle gewünscht: doch Benedikt XVI schwieg. Ein Schweigen, das selbst beim Vize-Stadtdechanten Unbehagen auslöste. Ortwald: „Ich persönlich hätte es gut gefunden, wenn der Papst das Thema in irgendeiner Form aufgegriffen hätte. Aber ich glaube, er wird sich noch dazu äußern.“

Die Missbrauchs-Debatte sorge laut Ortwald für viel Verunsicherung bei den Priestern: „Wir fragen uns: Können wir es uns noch leisten, in Ferienfreizeiten mitzufahren? Wie reagieren wir, wenn Kinder vertraulich mit Priestern sprechen wollen?“ Konsequenz dürfe aber nicht sein, dass Seelsorger sich selbst unnahbar machen müssten.