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Klassiker der Neuen Musik im domicil

29.08.2007

Auch Klassiker können jung sein: Die Klassiker, die das e-mex-Ensemble am Dienstag beim dritten Konzert der Reihe "Neue Musik im domicil" spielte, waren gerade einmal 11, 12 und 21 Jahre alt.

Gérard Grisey war einer der bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts; die Werke des 1998 gestorbenen Avantgardisten sind dennoch selten zu hören. Einem seiner Hauptwerke, dem 40-minütigen "Vortex temporum", stellte das Ensemble zwei je vierminütige Miniaturen von Salvatore Sciarrino und Helmut Lachenmann voran, auf die sich Grisey in seinem Spätwerk "Vortex Temporum" bezieht. Trotzdem hätte der Kontrast kaum größer sein können.

Mit Stille und Klängen an der Grenze des kaum noch Wahrnehmbaren spielt Lachenmann in seiner Toccatina für Solo-Violine. Das italienische Verb toccare (schlagen) hat der 72-jährige Komponist ernst genommen, ließ Klänge entstehen, die leise gezupft oder mit dem Metall vom Frosch des Bogens auf die Saiten getupft werden. Kalina Kolarova machte Geräusche zu Klangereignissen.

Und auch Sciarrinos "Omaggio a Burri" von 1995 für Alt-Querflöte, Bassklarinette und Violine ließ den Musikern wenig dynamischen Raum, die Klangcharakteristika der Instrumente zu entfalten. Auch Klappengeräusche der Bläser gehörten zur Klangfläche und rhythmischen Motorik.

Wesentlich expressiver und programmmusikhaft illustrativ ist der "Wirbel der Zeiten" (Vortex temporum). Präzise, mit wilden Klavierrythmen, spielte das Ensemble in Sextettbesetzung den 1. Satz "Zeit der Menschen", der von Vierteltönen geprägt ist. Ruhig und geheimnisvoll ließ es im 2. Satz die "Zeit der Walfische" fließen, dicht und farbig klang die "Zeit der Vögel" im Finale. Ein spannender Klassiker-Abend. JG

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