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Kokerei-Schornsteine gesprengt

DORTMUND 50 Kilogramm Sprengstoff legten Sonntagvormittag die Schornsteine der ehemaligen Kokerei Kaiserstuhl in Schutt und Asche. Der frühere Betriebsratsvorsitzende der Kokerei, Peter Hampel, sah's mit Wehmut.

von Von Annika Ruhfaut

, 28.10.2007
Kokerei-Schornsteine gesprengt

Peter Hampel mit den Resten der gesprengten Schornsteine.

Noch einmal drückt er auf den Auslöser seiner Digitalkamera, knipst das erste Bild des ehemaligen Hoesch-Geländes ohne Türme und steckt die Kamera zurück in die Tasche. „Weg sind ´se“, sagt Peter Hampel. Weg sind die Schornsteine der Kokerei Kaiserstuhl seit gestern Vormittag. Kurz nach elf war es, da nimmt Sprengmeister Hermann Havekost den bereits stillgelegten Türmen das letzte Leben. Unter Donnern und Pfeifen fällt Turm eins um, wenige Sekunden später Turm zwei. In das selbe Fallbett stürzen sie, Turm zwei reißt noch Teile der Koksöfen mit sich. Geplant war das so zwar nicht, „ist aber auch nicht tragisch“, sagt Havekost. Für den 70-Jährigen ist der Job nun erledigt. Eine Sprengung unter vielen. Für Peter Hampel aber ist es vielleicht die Sprengung seines Lebens.  

Bau der Großkokerei durchgeboxt

„Es tut weh“, sagt Hampel. Das Gelände um die ehemalige Kokerei war sein zweites Zuhause. „Ich hab´ hier gelernt, war Geselle, Vorarbeiter und Schichtleiter.“ Vorsitzender im Betriebsrat der Kokerei Kaiserstuhl wurde er 1980 und blieb es bis 1998. In dieser Zeit hat er mit anderen den Bau der Großkokerei durchgeboxt. Als es dann soweit war und sie 1992 als modernste Kokerei in Europa in Betrieb genommen wurde, „haben wir uns riesig gefreut.“ Doch schon acht Jahre später kam der Beschluss, dass die Anlage geschlossen werden sollte.    

    Wenn Hampel jetzt daran denkt, wird er sauer: „Wir dachten damals, dass unsere Kinder da noch arbeiten können.“ Der Weg zu den Trümmern fällt dem 62-jährigen Rentner schwer. „Hier riecht es schon nach Beton“, sagt er. Beton, aus dem vor 15 Jahren die Schornsteine gegossen wurden, die jetzt nur noch Schutt sind. „Ich bereue es nicht, dass die Anlage entstanden ist. Sie stillzulegen war falsch. Man hätte weiter auf Kohle setzen sollen.“  

Blick bis zum Rothaargebirge

Ein Mal war Hampel auf dem West-Turm – in 161 Metern Höhe. „Man konnte bis zum Rothaargebirge gucken.“ Und über die 450 Hektar der Westfalenhütte. Wenig erinnert ihn heute an das Gelände, auf dem schon sein Vater malocht hat. Immer mehr wurde stillgelegt und abgebaut. Damit aber nicht die Erinnerungen. „Wenn ich die Türme gesehen hab, hab ich mich gefreut. Ohne sie sieht alles noch trauriger aus.“

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