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Komik, Kiez und Kater

13.12.2007

Komik, Kiez und Kater

<p>Saukomisch: Rocko Schamonis Lesungen. Foto Bahlburg</p>

Rocko Schamoni: Wahl-Hamburger, Musiker, Schauspieler, Autor, Selbstdarsteller. Seit seinem zweiten Roman "Dorfpunks" und erst recht nach "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" der literarische Edel-"Slacker" der Republik.

"Slacker" nennen die Amerikaner den Typus des Tagediebs und Szene-Streuners. Der wie Schamonis Ich-Erzähler planlos in der Großstadt versumpft. Sinnsuche an Alkohol und Drogen delegiert. Erfolglosigkeit in nihilistischen Stolz ummünzt. Dessen Götze "Rock'n'Roll" heißt.

Fröhliche Lebensvergeigung mit Rocko Schamoni! Kaputt auf St. Pauli. Komik, Kiez und Kater. Am Mittwoch las Schamoni in der völlig überfüllten Schauburg aus "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit". Leichtes Spiel vor lachwilliger Kulisse. Der Mann ist längst ein Star. Aber die Art, wie er mit Loser- und Punk-Attitüde kokettiert, den Anti-Bürgerlichen raushängen lässt, hat Charme.

Hanseatisch-schnoddrig, lakonisch ist der Ton. Im Buch und in den Döneckes, die Schamoni als spontanen Stegreif verkauft. Die Aufforderung zur "Gewalt-Polonäse" durch die Innenstadt bringt er vermutlich jeden Abend. Egal, es ist ein Brüller, und Schamoni muss selber glucksen. Noch hat ihm die Routine nicht den Spaß vermiest, und das merkt man.

Zwischen Lesepassagen gibt er den Comedian, stammelt wie Johann König: Flachsinn über "Rauchen gegen den Fiskus, um das System zu Fall zu bringen" und mehr. Mal schmäht er seine Schreibe ("Dann muss der Lektor das eben geiler machen!"), dann prahlt er mit Wortdrechseleien. Bescheidenheit und Angeberei, beide Posen vergackeiert. Als Schamoni per Stimmverzerrer Mama, Papa und den Kehlkopf-Operierten spricht, schießen uns Lachtränen in die Augen. Ein Kopf-Clown erster Kajüte. Wendig, ironisch und saukomisch. Kai

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