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Kronzeugin kam in Schwarz

Es war ihr erster öffentlicher Auftritt. Vor dem Dortmunder Landgericht hat gestern die Frau (42) ausgesagt, die die Bargeldaffäre im Oberbürgermeister-Amt ausgelöst hat.

24.10.2007

Schwarze Hose, schwarzer Ledermantel, müde Augen: Die ehemalige Stadt-Angestellte sah nicht gut aus, als sie gestern in den Zeugenstand der 35. Strafkammer trat. Später lief ihr manchmal sogar eine Träne über das Gesicht. Aus Selbstmitleid?

Auf der Anklagebank saß der ehemalige Kokain-Lieferant der 42-Jährigen. Er hatte die städtische Angestellte Anfang 2005 kennen gelernt und regelmäßig beliefert. Übergabeort war meist die Wohnung der Kronzeugin in Körne. Manchmal brachte er das Kokain aber auch direkt vors Rathaus.

Wie die 42-Jährige die Drogen bezahlt hat? Richter Johannes Nüsse: "Haben Sie Geld aus der Stadtkasse entnommen, in dem Sie Rechnungen fingiert haben?" Antwort: "Ja." Richter Nüsse: "Können Sie sagen, wie viel das war?" Antwort: "Vielleicht 300 000 bis 400 000 Euro." Richter Nüsse: "Haben Sie das Geld auch für andere Dinge ausgegeben?" Antwort: "Nein. Es drehte sich alles nur um das Zeug. Als ich gemerkt habe, wie tief ich drin hänge, war es schon zu spät." Richter Nüsse: "Und heute?" Antwort: "Heute nehme ich keine Drogen mehr."

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte der Frau bis zu 2,5 Kilo Kokain verkauft hat. Der Preis pro Gramm: 60 Euro. Der Dealer selbst hält diese Menge allerdings für völlig überzogen und die Ex-Stadt-Angestellte für eine ziemlich miese Person. Angeblich soll sie ihn früher sogar einmal gefragt haben, ob er nicht einen Killer für ihren Halbbruder besorgen könne und ihm dabei ein dickes Geldbündel unter die Nase gehalten haben. Das weist die 42-Jährige jedoch weit von sich. Erstens sei das Unsinn, zweitens habe sie gar keinen Halbbruder.

Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Der Prozess könnte noch so manche Überraschung bringen. Vor allem ist nach wie vor völlig unklar, was mit dem Rest des verschwundenen Geldes passiert ist. Angeblich sollen aus der Stadtkasse über eine Million Euro verschwunden sein.

Wann die ehemalige Stadt-Angestellte wegen der Unterschlagung selbst auf der Anklagebank Platz nehmen muss, ist noch nicht bekannt. Jörn Hartwich

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