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Kunst-Vermittler

Das Projekt "Art-Transmitter" vermittelt Kunst von psychisch Kranken. Das baut Künstler auf - und Vorurteile ab.

24.10.2007

Es war vor drei Jahren, als Elisabeth Aßhoff ihre Angst vor Farben überwand. Als die 49-Jährige wegen einer Angsterkrankung in psychiatrischer Behandlung war, war Kunst-Therapie für sie zunächst undenkbar. Irgendwann wagte sie dann doch die ersten Pinselstriche. "Ich habe sofort ziemlich groß gemalt, Acryl auf Leinwand", sagt sie. Der nächste große Schritt bestand darin, die eigenen Werke anderen zu zeigen. Sie wandte sich an die Agentur Art-Transmitter.

Es war vor drei Jahren, als der Grafiker Guido Wessel (Foto) auf jene Kunst aufmerksam wurde, die in Tageseinrichtungen und Kliniken schlummert. "Hier sind so viele tolle Arbeiten aus der Kunsttherapie, kann man damit nicht was machen?", fragte eine Therapeutin. Guido Wessel war skeptisch. Was würde das schon sein, was psychisch Kranke aufs Papier bringen? Trotzdem fuhr er hin. "Mir war klar: Hier liegt ein Kunstschatz, der gehoben werden muss", urteilt er heute.

Gemeinsam mit anderen Mitstreitern entwickelte Wessel die Idee zu Art-Transmitter: einer Kunst-Service-Agentur, die die Kunst (nicht nur) psychisch Kranker via Ausstellungen in Unternehmen, Kanzleien oder öffentliche Einrichtungen bringt.

Preisgekröntes Projekt

Die Idee überzeugte auch das NRW-Wirtschaftsministerium: 2003 gewann Art-Transmitter den Innovationswettbewerb und damit die Hälfte der Realisierungskosten. Um an die andere Hälfte zu gelangen, gründete man einen Verein. Seit sechs Monaten steht nun die Internet-Galerie mit über 460 Bildern von fast 70 Künstlern im Netz. Nachdem die ehrenamtlich arbeitenden Vereinsgründer zunächst um Künstler werben mussten, kommen nun Bewerbungen aus ganz Deutschland. Von Heiligenhafen bis Saarlouis reicht das Künstlernetz, auch ins Ausland sind erste Kontakte geknüpft.

"Beim Malen geht ein Stück Angst von mir auf die Leinwand über", sagt Elisabeth Aßhoff, "mittlerweile ist es ein Teil von mir, ich fühle mich dadurch frei." Dennoch sind weder ihre, noch die Arbeiten der anderen Künstler düster oder deprimierend. "Viele Arbeiten sind provokativ, spannend, sie berühren", sagt Claudia Quick (Foto), eine jener professionellen Künstler, die sich ohne psychiatrischen Hintergrund für das Projekt engagiert und eigene Werke eingebracht hat. Art-Transmitter-Kunst ist Art Brut: Kunst von Autodidakten ohne akademischen Hintergrund, entstanden außerhalb des Kunstsystems. Doch für Claudia Quick gibt es kaum einen Unterschied: "Die einen malen, weil sie erkrankt sind - die anderen, weil sie es nicht werden wollen." Katrin Pinetzki www.art-transmitter.de

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