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Kunstwerk weggewischt - Putzfrau wird nicht gefeuert

800.000-Euro-Schaden

Eine Putzfrau zerstört ein 800.000-Euro-Kunstwerk im Museum Ostwall. Alle Betroffenen fragen sich: "Wie konnte das nur passieren?" Wir haben im U-Turm und bei der betroffenen Firma nachgefragt. Wichtigster Fakt: Die Putzfrau fliegt nicht raus.

DORTMUND

04.11.2011
Kunstwerk weggewischt - Putzfrau wird nicht gefeuert

Einen entscheidenden Augenblick lang war eine Putzfrau im Museum Ostwall unaufmerksam. Gründlich rieb sie die Schmutzschicht von einer großen Schale – und bemerkte zu spät, dass sie sich gerade an einer 800.000-Euro-Plastik vergriff. Noch kurz vor dem Lapsus erinnerte ein Angestellter des Museums die Frau: „Sie wissen doch, dass Sie 20 Zentimeter Mindestabstand zu allen Kunstwerken halten müssen?“ Na klar, erwiderte sie. Sie arbeitet seit Jahren für die Reinigungsfirma AWF, die auch das Emil-Schumacher-Museum in Hagen putzt und seit rund einem Jahr das U. Die Frau ist zuverlässig und routiniert. Kurz darauf entdeckt der Museumsangestellte, dass die Schale des Kippenberger-Werks mit dem Titel „Wenn’s anfängt, durch die Decke zu tropfen“ nicht mehr schmuddelig-weiß, sondern teilweise blitzeblank ist. Erschrocken fragt er die Frau: „Hast du etwa die Schale geputzt?“ Verdattert antwortet sie: „Ja!“ Das war am 21. Oktober.

„Ich weiß nicht, was ich dabei gedacht habe“, erzählt sie später ihrem Chef Frank Schwake. „Ich habe es zu spät gemerkt.“ Schwake ist sicher: „Das war Pech. Sie hat einen Moment nicht nachgedacht, reflexartig geputzt.“ Er hält zu ihr: Kündigung ist für Schwake kein Thema. Im Vergleich zum berühmten Präzedenzfall mit der „Fettecke“ von Joseph Beuys, die mehr nach Unrat aussah und dann ebenfalls „aufgeräumt“ wurde, ist die Kippenberger-Plastik eigentlich deutlich als Kunstwerk zu erkennen. „Wenn etwas in der Mitte eines Museumsraumes steht und als Kunst ausgezeichnet ist“, sagt Stadtsprecherin Dagmar Papajewski, „kann man doch auf die Idee kommen, dass das ein Kunstwerk ist.“

Was mit dem Werk nun passiert, muss der Besitzer entscheiden, der es dem Museum Ostwall Anfang des Jahres anonym als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Er kann es restaurieren lassen – das wäre aufwändig, weil nicht genau bekannt ist, wie Kippenberger den weißen Belag aufgetragen hat. Oder er kann es in dieser Form belassen. In beiden Fällen wäre der Wert stark beeinträchtigt. Dritte Alternative: Er erklärt es zum Totalschaden. Dann bekommt er die Versicherungssumme – aber das Werk darf er dann nicht mehr zeigen. In dem Fall könnte es allenfalls noch als Übungsobjekt für Restauratoren dienen. Bis zur Entscheidung ist die Plastik weiterhin im Museum zu sehen.

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