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Messerscharfe Löffelohren

DORTMUND Wenn Margit Du Toit auf die Veranda tritt, blickt ihr die Wildnis ins Gesicht: Schakale, Springböcke und Steppenwarane bei der Morgentoilette. Eine Maulwurfnatter kringelt Spuren in den Staub. Ein ganz normaler Dortmunder Vorgarten. In Namibia.

von Von Tilmann Abegg

, 17.08.2007

Hergeführt hat die gebürtige Dortmunderin ihr Kindheitstraum: die Tierwelt Afrikas vor Ort zu erforschen. Gehalten hat sie ein kleines, fuchsartiges Raubtier mit Ohren, so groß wie Salatbesteck: ein Löffelhund namens Fanta.

"Ein Farmer hatte ihn kurz nach der Geburt gefunden und aufgezogen", erinnert sich Du Toit. "Als er im Jahr 2002 zu uns kam, war er etwa fünf Monate alt." Mischlingshündin Malta begleitete ihn und half bei der Eingewöhnung. Die Rolle seines "natürlichen Feindes" übernahm Katze Sheila: "Sie ist die einzige mir bekannte Hauskatze, die gerne Löffelhunde erschreckt", schmunzelt die Tierärztin.

Fanta entwickelte ein starkes Vertrauen zu ihrem Frauchen, ließ sich beim Spielen, bei der Jagd, sogar bei der Aufzucht des Nachwuchses beobachten. So entstanden faszinierende Einblicke in das Leben der bislang weitgehend unbekannten Tiere.

Sensiblen Sonden gleich gleiten die Ohrmuscheln dicht über den Boden, wenn die Löffelhunde in der Kühle des frühen Morgens den afrikanischen Bodenschätzen nachspüren. Bis in eine Tiefe von 30 cm lauschen sie ins Erdreich und fressen dabei fast alles, was sich unter ihrem Echolotbesteck durch die Wüste wühlt: Termiten, Heuschrecken, dazwischen ein nahrhafter Ameisenimbiss.

Giftige Skorpione werden vor dem Verzehr mit einem Biss in den Stachel entwaffnet. Praktisch: Weil die kleinen Krabbelhappen auch viel Flüssigkeit enthalten, sind die Löffelhunde von offenen Wasserstellen unabhängig.

Im Moment sind die Insekten aber so rar wie ein Sonntagsbraten: Es ist Winter in Namibia. Morgens ist der Süden des schwarzen Kontinents weiß gefroren, die Temperaturen wechseln auf dem 1500 m hohen Plateau der Maltahöhe zwischen 25 Grad am Tag und minus 5 Grad in der Nacht.

"Eigentlich ist das Leben hier nicht soviel anders", findet die Forscherin, "wir haben Fernsehen, Internet und Telefon." Generator und Solarplatten liefern den Strom, das Wasser eine 150 m tiefe Pumpe. Der Rest ist eine Frage des Maßstabs: Der Weg zum Supermarkt ist 135 km weit, zum nächsten Kino sind es 400 km. Stau gibt es dafür selten: Im Süden Namibias, auf einer Fläche so groß wie die Bundesrepublik, leben nur etwa 140.000 Menschen.

Die Zukunft auf der Maltahöhe ist noch ungewiss. Margit Du Toit möchte die Farm zu einer Forschungsstation ausbauen, inklusive Klinik und Auswilderungsstation für Wildtiere.

"Ideal wäre es, wenn ich einen finanzstarken Partner finden würde, der den Gästebetrieb mit meiner Forschung als Attraktion übernehmen würde", hofft die Tierärztin. "Oder genügend Sponsoren, um die Kosten zu decken."

Draußen im Gehege tummelt sich inzwischen schon die dritte Generation. Zwei davon schnuppern bald vielleicht Ruhrgebietsluft, verrät Du Toit: Der Dortmunder Zoo habe bereits Interesse an einem Zuchtpaar bekundet.

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