Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Monats-Kunst oder Sand-Lösung

DORTMUND Trotz besprühter und verwahrloster Kunst in der Stadt: An der Zuständigkeit für Skulpturen und Plastiken im öffentlichen Raum wird sich so schnell nichts ändern. "Sowohl der Oberbürgermeister als auch ich sehen keinen Handlungsbedarf", sagt Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

von Von Katrin Pinetzki

, 31.01.2008

Damit geht der Vorstoß des Tiefbauamtes, die Verantwortlichkeiten neu zu regeln, ins Leere. Die Zuständigkeit sei klar geregelt, so Stüdemann: Einige Kunstwerke werden von den Kulturbetrieben betreut, andere von Bezirksvertretungen. Kunst auf Friedhöfen gehört den Friedhöfen, jene im Westfalenpark dem Museum am Ostwall und dem Park. Nur für Objekte, die der Stadt geschenkt wurden, gebe es keinen Kümmerer - "sie werden vom Tiefbau mit betrachtet", so Stüdemann.

Natürlich sei es "ärgerlich", wenn teure Kunstwerke verrosten und verunstaltet werden. Für die Pflege sieht er aber eher die Bürger in der Pflicht: "Die einzig vernünftige Lösung ist es, wenn die Bürger in ihrem Viertel auf die Kunstwerke achten", findet er. Dem kann Ovis Wende zustimmen. Der Professor, der an der Dortmunder Fachhochschule das Lehrgebiet "Kunst im öffentlichen Raum" vertritt, sieht allerdings ein ganz anderes Problem: "Die Forderung, Kunst am Bau zu realisieren, stammt aus der Nachkriegszeit, um Kunst einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln."

"Heute gibt es eher zu viel davon", sagt er - die Städte sind mit der Kunst-Unterhaltung überfordert. "Autos bringt man zur Inspektion, aber Kunst soll zerstörungssicher, dauerhaft und wartungsfrei sein - mit diesen Ansprüchen bekommt man natürlich nur Stahlplatten." Es dürfe kein Tabu sein, Skulpturen auch wieder zu entfernen, fordert er. "In Hildesheim gab es die Idee, öffentliche Kunst mit Sand zuzuschütten. Die Bürger sollten wieder ausgraben, was sie vermissen", erzählt Wende. Eine ironische Aktion, die aber die richtige Frage stellt: Wer entscheidet?

Eine radikal andere Lösung für die Zukunft könne in temporärer Kunst liegen, sagt Wende. So gebe es in München einen Fonds, aus dem Skulpturen bezahlt werden, die nur für einen Monat aufgestellt werden. Dringend erforderlich sei auch, dass Experten und nicht Politiker Vorschläge für Kunst machen, so Wende: "Politiker dürfen nur ein Widerspruchsrecht haben." Einen solchen "Gestaltungsbeirat" gibt es auch in Dortmund. Er besteht aus Künstlern und Denkmalschützern, Politikern, Professoren und Planern und berät unter anderem, wie Neubauten künstlerisch bereichert werden könnten. Auch die Pflege bestehender Kunst war dort bereits Thema - zuständig dafür fühlt sich der Beirat jedoch nicht.

Lesen Sie jetzt