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Mordskraft in der Kehle

"Geben Sie einem Jazz-Musiker ein Weihnachtslied, und sie werden sehen was dabei herauskommt."

17.12.2007

Mordskraft in der Kehle

<p>Jocelyn B. Smith riss das Publikum von den Bänken. Schütze</p>

Na ja, könnte man denken, Jingle Bells geswingt im Big-Band-Sound ist nicht sonderlich neu. Was Jazz-Sängerin Jocelyn B. Smith mit ihrem ironischen Kommentar zur eigenen Musik aber meint, sticht deutlich heraus aus dem Wust halbherzig gestrickter Weihnachtsplatten. Davon konnten sich Sonntagabend mehrere hundert Zuhörer in der Reinoldikirche überzeugen, als das Stimmwunder aus New York ihr Weihnachtsprogramm in einem Benefiz-Konzert der Ruhr Nachrichten präsentierte: 15 000 Reinerlös gingen an die Kinderschutzstiftung.

Auch Jocelyn und ihre Band haben Jingle Bells neu aufgenommen. Aber es dauert, bis man überhaupt mitbekommt, dass tatsächlich dieser denkbar strapazierte Weihnachtshit im Kern dieses Arrangements steckt. "Ich muss Drums, Percussion und Bass haben", hat sie einmal gesagt, "und ich muss das in meinem Bauch fühlen, es muss im Bauch grooven."

Jocelyns Groove hat selten etwas mit Easy-Listening-Swing zu tun, vielmehr mit treibenden Rockbeats und immer auch mit der gewissen Funk-Würze gegen den Grundrhythmus. Das Prägende bleibt unterdessen die Stimme. Jocelyn kann sie dämpfen bis auf einen samtigen Hauch und explosionsartig eine Mordskraft in ihre Kehle legen, wie es außer ihr wenige vermögen. Nicht zufällig ließ der "ernste" Neutöner Mikis Theodorakis sie als Star der "Unterhaltungsmusik" in einer seiner Opern singen. Mehr Facetten kann eine Stimme kaum bieten.

In Dortmund gehörten zu ihrem Programm neben Weihnachtshits aus ihrer alten Heimat USA auch alte Weihnachtslieder wie "Stille Nacht" oder "Susanni" aus ihrer Wahlheimat Deutschland. Die hochkarätige Band mit Volker Schlott an Saxophonen und Flöte, Henning Schmied an den Keyboards, Kai Brückner an der Gitarre, Hans-Dieter Lorenz am Bass und Thomas Alkier am Schlagzeug kümmert sich nur um die Grundstimmung einer Melodie, alles andere wird zugunsten des eigenen Stils über Bord geworfen.

Immer mal wieder ist es auch eine andächtige Ballade, die dabei herauskommt, meist aber reißt das Ergebnis das Publikum von den Stühlen. Und den Elan, den Jocelyn und ihre Band im abschließenden Gloria entwickeln, macht ihnen so leicht auch kein noch so euphorischer Gospelchor nach. Von der Bühne ließ das Publikum die Band dann auch erst nach zwei Zugaben. Karsten Mark

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