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"Mutti" macht mit Socken weiter

21.08.2007

5 vor 5 in Dortmund. Jeden Mittwoch stellen wir an dieser Stelle Menschen unserer Stadt vor.

Marta Skowronski lässt sich vom bequemen Polstersessel umfangen. Schließlich ist sie 85 und hat sich etwas Ruhe verdient.

Doch kaum beginnt sie in ihrer Wohnung in der Uhlandstraße zu erzählen, mutiert sie zu einem menschlichen Testprogramm für Sesselqualität. Immer wieder springt sie auf, "schauen Sie mal, das hab ich auch noch", schleppt Fotos, Auszeichnungen heran. Setzt sich, erzählt, hastet hoch, dass das goldene Kreuz an ihrer Halskette fröhlich baumelt. "Schaunse mal, hier" und holt Briefe und - Socken. Socken?

"Ja," sagt die quirlige Witwe, "jetzt stricke ich nur noch Socken für die Kleiderkammer." Mit den Socken wären wir schon am Ende der Geschichte. Fangen wir lieber von vorne an.

In Niederschlesien geboren, erlebte Marta Skowronski das Kriegsende als Lazarett-Schwester. Mitte der 50er Jahre kam sie nach Dortmund. Ihre Berufung zum Helfen ließ sie nie los. So belegte sie (flitscht wieder aus dem Sessel, "Schaunse mal, hier der Ausweis") einen Auffrischungskurs als Schwester. Immer in DRK-Diensten.

Dann die Kleiderkammer. Ihr Kind. Erst improvisiert unter freiem Himmel, ab 1981 offiziell unter dem Dach des DRK-Hauses an der Beurhaus-, jetzt an der Josefstraße. 26 Jahre war Marta Skowronski, von den Obdachlosen kumpelig "Mutti" gerufen, die gute Seele der Hilfseinrichtung. Nachdem zwei Mitstreiterinnen schwer erkrankten, musste die Ausgabestelle ein halbes Jahr ihren Betrieb einstellen.

Nun geht's weiter, mit neuem Personal. Zur Neueröffnung war die 85-Jährige krank. Jetzt sieht sie wieder aus wie's blühende Leben. Aber arbeiten will, na ja, kann sie vielleicht vor Ort doch nicht mehr. Aber sie hilft ja weiter. "Schaunse, ich strick' Socken für die Kleiderkammer." Jörg Heckenkamp

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