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Neue Marktstudie/Lokale Anbieter sehen keinen Zusammenhang zwischen Nachfrage und Turbo-Abi b.B.

Für die Einführung der verkürzten Schulzeit in NRW gibt es bislang keine guten Noten – aber schon Gewinner. Das behauptet zumindest das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Einer Marktstudie zufolge, die heute veröffentlicht wird, profitieren Nachhilfeinstitute vom Turboabitur.

von Von Steffi Tenhaven

, 14.04.2010

Danach berichteten mehr als die Hälfte von 122 befragten Instituten dem FiBS von steigender Nachfrage, die fast 70 Prozent der Anbieter auf das so genannte „G8“ (8 Jahre Gymnasium) zurückführen. Herrscht wirklich Panik an den Pennen? Holger Klausmann, Leiter des Nachhilfe-Instituts Abacus in Dortmund, begegnet dem Studienergebnis skeptisch. „Wir erleben zur Zeit starke Schwankungen. Während die Nachfrage 2009 boomte, ist sie derzeit eher rückläufig. Das ist der Wirtschaftskrise geschuldet.“ Einen Trend, der auf „G8“ zurückzuführen sei, vermag er derzeit nicht zu erkennen. Klausmann, dessen Institut zur Zeit knapp 200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, rechnet aber damit, dass die Nachfrage für Nachhilfe bis Ende dieses Schuljahres anzieht, was kein Phänomen wäre. Klare Worte auch von einem weiteren großen Nachhilfeanbieter, der „Schülerhilfe“, die nach eigenen Angaben jährlich bundesweit rund 70 000 Schülern in 1000 Instituten auf die Sprünge hilft und in Dortmund an acht Standorten vertreten ist. „Wir können keinen Zusammenhang zwischen der Nachfrage und G8 herstellen, es gibt keinen Pusheffekt“, erklärt Marion Lauterbach, Pressesprecherin der „Schülerhilfe“. Der Nachhilfeanbieter hat an der FiBS-Umfrage teilgenommen. Marion Lauterbach verweist auch auf die neuen Bundesländer, in denen die verkürzte Gymnasialzeit keine neue Errungenschaft ist. „Dort haben wir stabile Schülerzahlen.“ Gründe, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen, seien vielfältig. „Wir wollen den Stress von G8 nicht klein reden, aber hinzu kommen auch der Faktor Pubertät in der Mittelstufe und der Umstand, dass häufiger als früher beide Eltern berufstätig sind und Nachhilfe lieber delegieren.“ Dass sich laut FiBS-Studie nicht nur mehrheitlich Gymnasiasten am Nachmittag auf den Weg zu den Nachhilfelehrern der Nation machen, sondern zunehmend mehr Grundschüler, wundert Rolf Konradi nicht. „Immer mehr Eltern fürchten, dass ihre Kinder nicht den Sprung von der Grundschule aufs Gymnasium schaffen“, sagt der Leiter des Duden-Instituts in Dortmund, das vornehmlich Kinder mit Lese-, Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche therapiert. „Außerdem kommen vermehrt ältere Jugendliche, die Angst haben, den Anschluss zu verlieren.“ Für Dortmund stellt Rolf Konradi fest, dass so genannte „sozial Schwache“ zunehmend auf der Strecke bleiben, weil das Geld für eine gezielte Förderung fehle.